Dar­le­gung des Kla­ge­be­geh­rens bei Anfech­tungs­kla­gen

Nach § 65 Abs. 1 Satz 1 FGO muss die Kla­ge u.a. den Gegen­stand des Kla­ge­be­geh­rens bezeich­nen. Eine aus­rei­chen­de Bezeich­nung erfor­dert zumin­dest die sub­stan­ti­ier­te und schlüs­si­ge Dar­le­gung, was der Klä­ger begehrt und wor­in er eine Rechts­ver­let­zung sieht; dadurch soll das Gericht in die Lage ver­setzt wer­den, die Gren­zen sei­ner Ent­schei­dungs­be­fug­nis zu bestim­men (§ 96 Abs. 1 Satz 2 FGO). Fehlt der Kla­ge die­se Vor­aus­set­zung, ist sie als unzu­läs­sig abzu­wei­sen. Wie weit ein Kla­ge­be­geh­ren zu sub­stan­ti­ie­ren ist, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab, ins­be­son­de­re von dem Inhalt des ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akts, der Steu­er­art und der Kla­ge­art. Ent­schei­dend ist, ob das Gericht durch die Anga­ben des Klä­gers in die Lage ver­setzt wird, zu erken­nen, wor­in die den Klä­ger tref­fen­de Rechts­ver­let­zung nach des­sen Ansicht liegt 1.

Dar­le­gung des Kla­ge­be­geh­rens bei Anfech­tungs­kla­gen

Han­delt es sich um eine Anfech­tungs­kla­ge, ist der Gegen­stand des Kla­ge­be­geh­rens nicht gleich­zu­set­zen mit der blo­ßen Benen­nung der ange­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen und dem Begeh­ren auf Auf­he­bung 2. Nach dem Ziel der Rege­lung, näm­lich das Ver­fah­ren durch eine wirk­sa­me Durch­set­zung der Ver­pflich­tung zur Ver­voll­stän­di­gung des Kla­ge­inhalts zu beschleu­ni­gen 3, sind Anga­ben erfor­der­lich, die es dem Gericht ermög­li­chen, die Gren­zen sei­ner Ent­schei­dungs­be­fug­nis zu bestim­men und eine effek­ti­ve und auf das erfor­der­li­che Maß beschränk­te Sach­auf­klä­rung zu betrei­ben 4. Ermitt­lun­gen ins Blaue hin­ein muss es nicht anstel­len.

Der Bun­des­fi­nanz­hof konn­te im vor­lie­gen­den Fall jedoch letzt­lich offen­las­sen, wel­che Anfor­de­run­gen im Streit­fall ange­sichts der Tat­sa­che, dass gegen den Klä­ger ein Steu­er­straf­ver­fah­ren läuft, an die hin­rei­chen­de Bezeich­nung des Kla­ge­be­geh­rens gestellt wer­den müs­sen und kön­nen. Die Anga­ben der Klä­ger in der Kla­ge­schrift rei­chen zur hin­rei­chen­den Bezeich­nung des Kla­ge­be­geh­rens jeden­falls nicht aus und in den wei­te­ren Schrift­sät­zen haben sie sich hier­zu trotz mehr­fa­cher Auf­for­de­rung durch das Finanz­ge­richt nicht geäu­ßert.

Die Kla­ge­schrift ent­hält ledig­lich die Anträ­ge, die Ein­kom­men- und Umsatz­steu­er­be­schei­de, die Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de sowie die Beschei­de über die geson­der­te Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lusts für die Streit­jah­re auf­zu­he­ben. Die Klä­ger haben ledig­lich behaup­tet, der Bericht über die durch­ge­führ­te Fahn­dungs­prü­fung spie­ge­le ihre steu­er­li­chen Ver­hält­nis­se nicht kor­rekt wider. Der Klä­ger habe weder sämt­li­che unter­stell­ten Ein­nah­men gehabt, noch hät­te er die­se Ein­nah­men bei den unter­stell­ten Aus­ga­ben erwirt­schaf­ten kön­nen. Die Ein­nah­me- und die Aus­ga­be­sei­te hin­gen eng mit­ein­an­der zusam­men und bei­des müs­se in einem bestimm­ten Ver­hält­nis ste­hen. Die­ses Ver­hält­nis habe der Beklag­te und Beschwer­de­geg­ner (das Finanz­amt) nicht berück­sich­tigt.

Bei die­ser Sach­la­ge konn­te das Finanz­ge­richt den Gegen­stand des Kla­ge­be­geh­rens selbst bei der gebo­te­nen Aus­le­gung der Kla­ge anhand sämt­li­cher zur Ver­fü­gung ste­hen­der Unter­la­gen 5 nicht hin­rei­chend sicher bestim­men. Dem­ge­gen­über ist davon aus­zu­ge­hen, dass den Klä­gern eine hin­rei­chend genaue Bezeich­nung der gel­tend gemach­ten Rechts­ver­let­zung in der ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit mög­lich gewe­sen wäre.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2013 – X B 130/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 17.01.2002 – VI B 114/​01, BFHE 198, 1, BSt­Bl II 2002, 306[]
  2. Gräber/​von Groll, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 65 Rz 48[]
  3. BT-Drs. 12/​1061, S. 15[]
  4. BFH, Beschluss in BFHE 198, 1, BSt­Bl II 2002, 306, m.w.N.[]
  5. vgl. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 65 FGO Rz 14; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 65 FGO Rz 64[]