Das Finanz­amt und die Aus­kunfts­pflich­ten des Insol­venz­ver­wal­ters

Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit eines Aus­kunfts- und Vor­la­ge­er­su­chens geäu­ßert, wel­ches an eine Insol­venz­ver­wal­te­rin gerich­tet ist und auch dazu die­nen soll, deren etwai­ge Haf­tung für Steu­er­schul­den einer insol­ven­ten Gesell­schaft zu prü­fen.

Das Finanz­amt und die Aus­kunfts­pflich­ten des Insol­venz­ver­wal­ters

Im Streit­fall hat­te die Antrag­stel­le­rin im Jahr 2007 ver­an­lasst, dass Abbu­chun­gen von Lohn- und Umsatz­steu­ern, die das Finanz­amt vom Kon­to einer insol­ven­ten GmbH vor­ge­nom­men hat­te, rück­gän­gig gemacht wur­den. Zum dama­li­gen Zeit­punkt hat­te das Insol­venz­ge­richt der GmbH kein all­ge­mei­nes Ver­fü­gungs­ver­bot auf­er­legt. Aller­dings konn­te die Gesell­schaft nur mit Zustim­mung der damals zur vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­te­rin bestell­ten Antrag­stel­le­rin über ihr Ver­mö­gen ver­fü­gen. Das Finanz­amt hat­te die Antrag­stel­le­rin im Juni 2011 auf­ge­for­dert, ver­schie­dens­te Aus­künf­te hier­zu zu ertei­len und Unter­la­gen vor­zu­le­gen. Es woll­te so auch prü­fen, ob die Antrag­stel­le­rin für die Steu­er­aus­fäl­le in Haf­tung genom­men wer­den kann, die infol­ge der von ihr als sog. schwa­che vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­te­rin ver­an­lass­ten Rück­bu­chun­gen ent­stan­den sind.

Hier­ge­gen wand­te sich die Antrag­stel­le­rin und bekam nun im sum­ma­ri­schen Aus­set­zungs­ver­fah­ren Recht. Das Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schied, dass die Antrag­stel­le­rin die erbe­te­nen Aus­künf­te zunächst – d.h. bis zu einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che selbst – nicht ertei­len muss, da ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit des Ersu­chens bestün­den. Dies gel­te auch, soweit das Ersu­chen dazu die­ne, die Vor­aus­set­zun­gen einer Haf­tung der Antrag­stel­le­rin zu klä­ren. Denn es sei zwei­fel­haft, ob eine sol­che Haf­tung in Betracht kom­me. Die Antrag­stel­le­rin sei in ihrer Eigen­schaft als sog. schwa­che vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­te­rin weder gesetz­li­cher Ver­tre­ter der GmbH noch Ver­mö­gens­ver­wal­te­rin im Sin­ne des § 34 AO gewe­sen. Ob sie als „schwa­che“ vor­läu­fi­ge Insol­venz­ver­wal­te­rin Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te im Sin­ne des § 35 AO – und damit Haf­tungs­schuld­ne­rin – sein kön­ne, sei zumin­dest frag­lich. Denn dem „schwa­chen“ vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter im Sin­ne des § 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO räu­me das Insol­venz­ge­richt gera­de kei­ne eige­ne Ver­fü­gungs­be­fug­nis ein. Er kön­ne viel­mehr nur dar­über ent­schei­den, ob Ver­fü­gun­gen des Schuld­ners wirk­sam wer­den soll­ten oder nicht. Das Recht, eine Ver­fü­gung des Insol­venz­schuld­ners durch Ver­sa­gung einer Zustim­mung zu unter­bin­den, sei nicht iden­tisch mit dem Recht, selbst Ver­fü­gun­gen vor­neh­men zu kön­nen. Inwie­weit ein „schwa­cher“ vor­läu­fi­ger Insol­venz­ver­wal­ter im Hin­blick auf Last­schrif­ten eine eige­ne Ver­fü­gungs­be­fug­nis besit­ze und daher mög­li­cher­wei­se als Haf­tungs­schuld­ner in Betracht kom­me, müs­se abschlie­ßend im Haupt­sa­che­ver­fah­ren geklärt wer­den.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 7. Novem­ber 2011 – 11 V 2705/​11 AO