Das Finanz­ge­richt und die Kla­ge­an­trä­ge

Nach § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO darf das Finanz­ge­richt über das Kla­ge­be­geh­ren nicht hin­aus­ge­hen, ist aber an die Fas­sung der Anträ­ge nicht gebun­den.

Das Finanz­ge­richt und die Kla­ge­an­trä­ge

Dabei ist ‑wie sich § 96 Abs. 1 FGO ent­neh­men lässt- zwi­schen Kla­ge­be­geh­ren und Kla­ge­an­trag zu unter­schei­den. Das Finanz­ge­richt ver­stößt gegen § 96 Abs. 1 FGO, wenn es die wört­li­che Fas­sung des Kla­ge­an­trags als maß­geb­lich ansieht, obwohl die­se dem erkenn­ba­ren Kla­ge­ziel nicht ent­spricht.

Die Ver­let­zung des § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO ist ein von Amts wegen zu beach­ten­der Ver­stoß gegen die Grund­ord­nung des Ver­fah­rens 1.

Im kon­kre­ten, hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Auch wenn nach dem in der Sit­zungs­nie­der­schrift pro­to­kol­lier­ten Antrag die Klä­ger allein die Auf­he­bung der ange­grif­fe­nen Beschei­de begehr­ten, haben sie in dem Ver­fah­ren vor dem Finanz­ge­richt zahl­rei­che Ein­wän­de gegen die Ermitt­lung der lau­fen­den Ein­künf­te der WEG erho­ben. Die Klä­ger begeh­ren daher zumin­dest hilfs­wei­se auch die Her­ab­set­zung des fest­ge­stell­ten lau­fen­den Gewinns.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2018 – IV R 6/​16

  1. z.B. BFH, Urteil vom 14.09.2017 – IV R 34/​15, Rz 16[]