Das per EB zuge­stell­te Urteil – und die Revisionsfrist

Bei einer Zustel­lung gegen Emp­fangs­be­kennt­nis ist das Urteil erst dann zuge­stellt, wenn der Bevoll­mäch­tig­te oder ein beauf­trag­ter Mit­ar­bei­ter es ent­ge­gen­ge­nom­men und sei­nen Wil­len dahin gebil­det hat, die Über­sen­dung des Urteils mit der Post als Zustel­lung gel­ten zu lassen.

Das per EB zuge­stell­te Urteil – und die Revisionsfrist

Die Frist zur Ein­le­gung der Revi­si­on von grund­sätz­lich einem Monat beginnt nach § 120 Abs. 1 Satz 1 FGO mit Zustel­lung des voll­stän­di­gen Urteils. Urtei­le des Finanz­ge­richts wer­den gemäß § 53 Abs. 1 und 2 FGO nach den Vor­schrif­ten der ZPO zuge­stellt. Nach § 174 Abs. 1 ZPO i.d.F. des Geset­zes zur För­de­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs mit den Gerich­ten vom 10.10.20131 kann ein Schrift­stück u.a. an einen Anwalt gegen Emp­fangs­be­kennt­nis zuge­stellt werden.

§ 174 Abs. 4 Satz 1 ZPO in der o.g. Fas­sung lässt zum Nach­weis die­ser Zustel­lung das mit Datum und Unter­schrift des Adres­sa­ten ver­se­he­ne Emp­fangs­be­kennt­nis genü­gen, das an das Gericht zurück­zu­sen­den ist. Bei einer sol­chen Zustel­lung gegen Emp­fangs­be­kennt­nis ist das Urteil erst dann zuge­stellt, wenn der Bevoll­mäch­tig­te oder ein beauf­trag­ter Mit­ar­bei­ter es ent­ge­gen­ge­nom­men und sei­nen Wil­len dahin gebil­det hat, die Über­sen­dung des Urteils mit der Post als Zustel­lung gel­ten zu las­sen2.

Das Emp­fangs­be­kennt­nis ist zwar als Urkun­de über den Zustel­lungs­vor­gang nicht mehr kon­sti­tu­ti­ver Bestand­teil der Zustel­lung. Kon­sti­tu­tiv ist aber nach wie vor die ‑in dem Emp­fangs­be­kennt­nis ver­kör­per­te- Bereit­schaft des Anwalts, die Zustel­lung an einem bestimm­ten Tag ent­ge­gen­zu­neh­men und die Bekannt­ga­be des Schrift­stü­ckes als Zustel­lung gegen sich gel­ten zu las­sen3.

Daher ist für die Bekannt­ga­be wei­ter­hin nicht der Tag der Ein­le­gung in ein Post­fach oder der Tag des Ein­gangs in den Räu­men der Kanz­lei, son­dern die Ent­ge­gen­nah­me maß­ge­bend. Das gilt unab­hän­gig von dem Umfang der stan­des­recht­li­chen Pflich­ten4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 2. Dezem­ber 2020 – II R 22/​18

  1. BGBl I 2013, 3786[]
  2. für den Bevoll­mäch­tig­ten BFH, Urteil vom 23.01.2013 – XI R 25/​11, BFHE 239, 547, BStBl II 2013, 417, Rz 17, m.w.N.; für den Mit­ar­bei­ter bzw. Ange­hö­ri­gen einer Sozie­tät BFH, Beschluss vom 01.02.2008 – IV B 68/​07 unter II. 1.a und b; BFH, Urteil in BFHE 239, 547, BStBl II 2013, 417, Rz 17[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 239, 547, BStBl II 2013, 417, Rz 17[]
  4. BFH, Beschluss vom 21.02.2007 – VII B 84/​06, BFHE 216, 481, BStBl II 2007, 583, unter II. 1.[]