Das Schrift­form-Erfor­der­nis – und die unle­ser­li­che Unter­schrift

Dem Schrift­form-Erfor­der­nis (hier: nach § 120 Abs. 1 S. 1 FGO) ist nur genügt, wenn das maß­geb­li­che Schrift­stück von dem­je­ni­gen, der die Ver­ant­wor­tung für sei­nen Inhalt trägt, eigen­hän­dig, d.h. mit einem die Iden­ti­tät des Unter­schrei­ben­den aus­rei­chend kenn­zeich­nen­den, indi­vi­du­el­len Schrift­zug hand­schrift­lich unter­zeich­net ist.

Das Schrift­form-Erfor­der­nis – und die unle­ser­li­che Unter­schrift

Hier­für ist nicht erfor­der­lich, dass der Name voll aus­ge­schrie­ben oder les­bar ist. Dem Geset­zes­zweck wird viel­mehr ent­spro­chen, wenn der im zuvor umschrie­be­nen Sin­ne indi­vi­du­ell gestal­te­te Schrift­zug die Absicht einer vol­len Unter­schrift erken­nen lässt. Es ist aus­rei­chend, wenn sich aus dem Namens­zug, jeden­falls in Zusam­men­schau mit der maschi­nen­schrift­li­chen Wie­der­ho­lung des Namens unter der Unter­schrift, min­des­tens ein­zel­ne Buch­sta­ben erken­nen las­sen und es sich ein­deu­tig um die Wie­der­ga­be eines Namens und nicht nur eines blo­ßen Namens­zei­chens oder eines ein­zi­gen Buch­sta­bens han­delt.

Aller­dings genügt nach stän­di­ger Recht­spre­chung ein Schrift­zug, der nach sei­nem äuße­ren Erschei­nungs­bild eine bewuss­te und gewoll­te Namens­ab­kür­zung (Hand­zei­chen, Para­phe) dar­stellt, nicht den an eine eigen­hän­di­ge Unter­schrift zu stel­len­den Anfor­de­run­gen 1, da inso­weit die Absicht einer vol­len Unter­schrift nicht erkenn­bar ist 2.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall wur­de damit nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs mit der Unter­zeich­nung der Revi­si­ons­schrift des Finanz­am­tes das Schrift­form­erfor­der­nis gewahrt: Der Schrift­zug ist nicht nur auf die zwei Buch­sta­ben ("F K") beschränkt, so dass eine sog. Para­phe nicht vor­liegt. Viel­mehr sind ‑wie der Unter­bo­gen erken­nen lässt- wei­te­re Buch­sta­ben andeu­tungs­wei­se erkenn­bar. Damit ist auf die Absicht zu schlie­ßen, eine rechts­ver­bind­li­che Unter­schrift leis­ten zu wol­len und die Ver­ant­wor­tung für den Inhalt des Schrift­sat­zes zu über­neh­men. Dies wird durch die maschi­nen­schrift­li­che Wie­der­ga­be des Namens des Unter­zeich­ners ver­stärkt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2018 – I R 60/​16

  1. BFH, Beschluss vom 26.06.2014 – X B 215/​13, BFH/​NV 2014, 1568, m.w.N.[]
  2. s.a. BGH, Beschluss vom 29.11.2016 – VI ZB 16/​16, NJW-RR 2017, 445[]