Das unzu­läs­si­ge Pro­zes­s­ur­teil

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung stellt es einen zur Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung füh­ren­den Ver­fah­rens­man­gel dar, wenn über eine zuläs­si­ge Kla­ge nicht zur Sache, son­dern durch Pro­zes­s­ur­teil ent­schie­den wird.

Das unzu­läs­si­ge Pro­zes­s­ur­teil

In einem sol­chen Fall wird zugleich der Anspruch des Klä­gers auf recht­li­ches Gehör nach Art. 103 Abs. 1 GG, § 96 Abs. 2 FGO ver­letzt [1].

Zwar kann der BFH auch dann in der Sache selbst ent­schei­den, wenn das Finanz­ge­richt eine Kla­ge zu Unrecht als unzu­läs­sig abge­wie­sen hat, die Kla­ge aber nach den vom Finanz­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zwei­fels­frei unbe­grün­det ist (§ 126 Abs. 4 FGO) oder wenn sich die Kla­ge bei jeder denk­ba­ren Sach­ver­halts­ge­stal­tung als begrün­det erweist (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 FGO).

Im Fal­le einer zu Unrecht abge­wie­se­nen Kla­ge als unzu­läs­sig erfor­dert aber die ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie des recht­li­chen Gehörs nach Art. 103 Abs. 1 GG regel­mä­ßig die Zurück­ver­wei­sung an die Vor­in­stanz. Beur­teilt das Finanz­ge­richt näm­lich eine Kla­ge als unzu­läs­sig, so ent­schei­det es über sie, ohne sich mit dem inhalt­li­chen Vor­brin­gen der Betei­lig­ten zu befas­sen [2]. In einer sol­chen Ver­fah­rens­la­ge kommt ein Durch­er­ken­nen aus­nahms­wei­se nur dann in Betracht, wenn voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen ist, dass einer der Betei­lig­ten durch einen wei­te­ren Vor­trag die Sach­ent­schei­dung noch beein­flus­sen könn­te [3]. Das ist vor­lie­gend nicht der Fall.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Juni 2016 – V R 49/​15

  1. z.B. BFH, Urteil vom 25.09.2013 – VIII R 17/​11 Rz 30; BFH, Beschlüs­se vom 10.03.2014 – X B 230/​12, BFH/​NV 2014, 888, Rz 12; vom 29.07.2009 – VI B 44/​09, BFH/​NV 2009, 1822, Rz 8; vom 23.04.2009 – X B 43/​08, BFH/​NV 2009, 1443, Rz 12; vom 16.04.2007 – VII B 98/​04, BFH/​NV 2007, 1345, Rz 5[]
  2. BFH, Urtei­le vom 04.07.2007 – VIII R 77/​05, BFH/​NV 2008, 53, Rz 29; vom 17.10.1990 – I R 118/​88, BFHE 162, 534, BStBl II 1991, 242, Rz 22[]
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 53, Rz 30[]