Das Urteil des Finanz­ge­richts – und sei­ne Zustel­lung per Telefax

Gemäß § 53 Abs. 2 FGO ist das Urteil des Finanz­ge­richts von Amts wegen nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung zuzu­stel­len. Danach darf das fin­anazge­richt­li­che Urteil u.a. an Anwäl­te und Steu­er­be­ra­ter gegen Emp­fangs­be­kennt­nis ‑auch durch Tele­ko­pie (Fax)- zuge­stellt wer­den (§ 174 Abs. 1 und 2 ZPO). Zum Nach­weis der Zustel­lung genügt bei die­ser Zustel­lungs­form das mit Datum und Unter­schrift des Adres­sa­ten ver­se­he­ne Emp­fangs­be­kennt­nis (§ 174 Abs. 4 Satz 1 ZPO), wel­ches durch Tele­ko­pie an das Gericht zurück­ge­sandt wer­den kann (§ 174 Abs. 4 Satz 2 ZPO).

Das Urteil des Finanz­ge­richts – und sei­ne Zustel­lung per Telefax

Im Streit­fall weist das von der bevoll­mäch­tig­ten Rechts­an­wäl­tin unter­schrie­be­ne und an das Gericht per Fax zurück­ge­sand­te Emp­fangs­be­kennt­nis den 25.04.2017 als Tag der Zustel­lung des Finanz­ge­richt, Urteils aus. Dadurch ist grund­sätz­lich der vol­le Beweis dafür erbracht, dass das Urteil tat­säch­lich an die­sem Tag zuge­stellt wor­den ist1.

Für einen mög­li­chen Gegen­be­weis reicht der Hin­weis des Finanz­amt auf die Anga­ben der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten in der Revi­si­ons­schrift vom 26.05.2017 nicht aus. Dort wird ledig­lich aus­ge­führt, dass das Urteil des Finanz­ge­richts am 24.04.2017 „zuge­gan­gen“ sei. Die­se Aus­sa­ge kann den durch das Emp­fangs­be­kennt­nis erbrach­ten Beweis schon des­halb nicht ent­kräf­ten, weil der Tag des Ein­gangs im Büro der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten nicht mit dem Tag der Zustel­lung iden­tisch sein muss. Viel­mehr ist der Tag der Zustel­lung (erst) der­je­ni­ge Tag, an dem der Zustel­lungs­adres­sat vom Zugang des über­sand­ten Schrift­stücks Kennt­nis erlangt und es emp­fangs­be­reit ent­ge­gen­ge­nom­men hat2.

Weiterlesen:
Sachurteil statt Prozessurteil

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2020 – I R 37/​17

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 14.10.1998 – IV R 10/​98, BFH/​NV 1999, 500; vom 23.02.2006 – IX B 206/​05, BFH/​NV 2006, 1667; vom 22.09.2015 – V B 20/​15, BFH/​NV 2016, 50[]
  2. BFH, Urteil vom 25.01.2005 – I R 54/​04, BFH/​NV 2005, 1572, m.w.N.[]