Das von Ehe­gat­ten gemein­sam bewohn­te Haus – und die Zah­lung der lau­fen­den Kos­ten

Die Zah­lung der lau­fen­den Kos­ten des von Ehe­gat­ten gemein­sam bewohn­ten Hau­ses durch den Allein­ver­die­ner-Ehe­gat­ten stellt auch dann kei­ne unent­gelt­li­che Zuwen­dung i.S. des § 278 Abs. 2 Satz 1 AO an den ande­ren Ehe­gat­ten dar, wenn das Haus im Allein­ei­gen­tum des ande­ren Ehe­gat­ten steht.

Das von Ehe­gat­ten gemein­sam bewohn­te Haus – und die Zah­lung der lau­fen­den Kos­ten

Ist der Allein­ver­die­ner-Ehe­gat­te zivil­recht­lich ver­pflich­tet, die Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen für das gemein­sam auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen voll­stän­dig zu beglei­chen, kommt es man­gels Aus­gleichs­an­spruchs nach § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht zu einer für eine Zuwen­dung erfor­der­li­chen Ver­mö­gens­ver­la­ge­rung.

Zahlt der Allein­ver­die­ner-Ehe­gat­te die übri­gen lau­fen­den Unter­halts­kos­ten für das im Allein­ei­gen­tum des ande­ren Ehe­gat­ten ste­hen­de Haus, so han­delt es sich um Unter­halts­leis­tun­gen nach §§ 1360, 1360a BGB.

Gemäß § 278 Abs. 1 AO darf die Voll­stre­ckung nach der Auf­tei­lung nur hin­sicht­lich der auf die ein­zel­nen Schuld­ner ent­fal­len­den Beträ­ge durch­ge­führt wer­den. Wer­den im Fal­le der Auf­tei­lung einer Gesamt­schuld gemäß §§ 268 ff. AO einem Steu­er­schuld­ner von einer mit ihm zusam­men­ver­an­lag­ten Per­son in oder nach dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum, für den noch Steu­er­rück­stän­de bestehen, unent­gelt­lich Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de zuge­wen­det, kann gemäß § 278 Abs. 2 AO der Emp­fän­ger bis zum Ablauf des zehn­ten Kalen­der­jah­res nach dem Zeit­punkt des Erge­hens des Auf­tei­lungs­be­scheids über den sich nach § 278 Abs. 1 AO erge­ben­den Wert hin­aus bis zur Höhe des gemei­nen Werts der Zuwen­dung für die Steu­er in Anspruch genom­men wer­den. Die Vor­schrift soll nicht die Voll­stre­ckung in den zuge­wen­de­ten Ver­mö­gens­ge­gen­stand ermög­li­chen. Sie ist viel­mehr dar­auf gerich­tet, die Voll­stre­ckung gegen den Drit­ten zu ermög­li­chen, der von der zu voll­stre­cken­den For­de­rung nicht betrof­fen ist. Die Beschrän­kung der Voll­stre­ckung nach § 278 Abs. 1 AO soll bis zur Höhe des gemei­nen Werts der Zuwen­dung ‑wie­der- erwei­tert wer­den [1].

Dadurch sol­len Umge­hun­gen durch eine unent­gelt­li­che Über­tra­gung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den auf den ande­ren Gesamt­schuld­ner ver­hin­dert wer­den [2]. Eine Miss­brauchs- oder Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht ist jedoch nicht erfor­der­lich [3].

Eine Zuwen­dung i.S. des § 278 Abs. 2 Satz 1 AO ist jede Über­tra­gung eines Ver­mö­gens­ge­gen­stands aus dem Ver­fü­gungs­be­reich eines Gesamt­schuld­ners in den Ver­fü­gungs­be­reich des ande­ren Gesamt­schuld­ners, die einen Wech­sel in der ding­li­chen Zurech­nung aus­löst (Ver­mö­gens­ver­schie­bung). Eine Zuwen­dung kann auch dar­in lie­gen, dass der eine Ehe­gat­te eine gegen den ande­ren Ehe­gat­ten gerich­te­te For­de­rung eines Drit­ten im abge­kürz­ten Zah­lungs­weg aus­gleicht [4].

Der Begriff der Zuwen­dung in § 278 Abs. 2 AO ent­spricht dem der (frei­ge­bi­gen) Zuwen­dung in § 7 Abs. 1 Nr. 1 des Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­set­zes (ErbStG), so dass die hier­zu ergan­ge­ne Recht­spre­chung grund­sätz­lich anzu­wen­den ist. Eine Berei­che­rung des Emp­fän­gers ist danach gege­ben, wenn die­ser über das Zuge­wen­de­te im Ver­hält­nis zum Leis­ten­den tat­säch­lich und recht­lich frei ver­fü­gen kann [5].

Eine Zuwen­dung erfolgt unent­gelt­lich, wenn sie ohne eine Gegen­leis­tung oder ohne die markt­üb­li­che Gegen­leis­tung erfolgt [6]. Maß­ge­bend ist die objek­ti­ve Unent­gelt­lich­keit, die nicht durch sub­jek­ti­ve, im Ehe­ver­hält­nis lie­gen­de Moti­ve für die Zuwen­dung in Fra­ge gestellt wer­den kann [7].

Unter Beach­tung die­ser Grund­sät­ze lagen in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall kei­ne Zuwen­dun­gen an die Ehe­frau vor:

Indem der allein­ver­die­nen­de Ehe­mann Zin­sen und Til­gung auf das gemein­sam auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen zahl­te, erbrach­te er kei­ne Zuwen­dung an die Ehe­frau, weil er auf sei­ne eige­ne Schuld ‑und nicht auf eine frem­de Schuld- leis­te­te. Dazu war er als Dar­le­hens­neh­mer und Gesamt­schuld­ner gemäß § 421 Satz 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches (BGB) im Außen­ver­hält­nis gegen­über der Dar­le­hens­ge­be­rin ver­pflich­tet. Die­se Zah­lun­gen wirk­ten nach § 422 Abs. 1 Satz 1 BGB zwar (auch) zuguns­ten der Ehe­frau, weil die­se durch die Leis­tung ihres Ehe­man­nes im Außen­ver­hält­nis von einer Ver­bind­lich­keit befreit wur­de. Eine Zuwen­dung lag dar­in aller­dings nicht, weil dem Ehe­mann kein zivil­recht­li­cher Aus­gleichs­an­spruch gegen die Ehe­frau zustand, auf den er hät­te ver­zich­ten kön­nen.

Nur in einem sol­chen Ver­zicht auf den Aus­gleichs­an­spruch nach § 426 Abs. 2 BGB kann eine Zuwen­dung lie­gen [8]. Im Innen­ver­hält­nis sind Gesamt­schuld­ner nach § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB zuein­an­der zu glei­chen Antei­len ver­pflich­tet, soweit nicht ein ande­res bestimmt ist. Wer­den von Ehe­gat­ten in einer intak­ten Ehe gemein­sam Dar­le­hen für gemein­schaft­li­che Zwe­cke auf­ge­nom­men und ist nur ein Ehe­gat­te in der Lage, die Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen zu erbrin­gen, schei­det ein Aus­gleichs­an­spruch nach § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB gegen­über dem ande­ren Ehe­gat­ten regel­mä­ßig aus [9]. In die­sen Fäl­len liegt eine vom Grund­satz des § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB abwei­chen­de Bestim­mung vor, indem nur der eine Ehe­gat­te die gemein­schaft­li­chen finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen tra­gen soll, und nicht bei­de Ehe­gat­ten zu glei­chen Antei­len. Schei­det danach ein Aus­gleichs­an­spruch aus, kommt es durch die Zah­lun­gen des Ehe­man­nes nicht zu einer Ver­mö­gens­ver­la­ge­rung [10]. So liegt der Fall hier, weil die Ehe­frau kei­ne eige­nen Ein­künf­te erziel­te.

Dar­an ändert der Umstand nichts, dass das gemein­sam bewohn­te Haus seit 2007 im Allein­ei­gen­tum der Ehe­frau steht. Denn es han­delt sich wei­ter­hin um gemein­schaft­li­che Zwe­cke der Ehe­leu­te, weil die­se das Haus wei­ter­hin gemein­sam mit ihren Kin­dern als Fami­li­en­heim bewohn­ten. Der Bun­des­fi­nanz­hof muss­te nicht ent­schei­den, ob ein sol­cher Aus­gleichs­an­spruch i.S. des § 426 Abs. 1 BGB auch aus­schei­den kann, wenn es sich um ein ver­mie­te­tes Objekt han­delt [11].

Auch die Zah­lung der übri­gen lau­fen­den Haus­kos­ten durch den Ehe­mann stellt kei­ne Zuwen­dung i.S. des § 278 Abs. 2 AO an die Ehe­frau dar.

Dabei kann offen­blei­ben, ob der Ehe­mann hier eine eige­ne Schuld oder eine Schuld der Ehe­frau begli­chen hat.

Der Ehe­mann erfüllt durch die Zah­lung der übri­gen lau­fen­den Haus­kos­ten, wie z.B. Grund­be­sitz­ab­ga­ben, sei­ne ihm nach § 1360 BGB oblie­gen­de Unter­halts­pflicht. Bei der gegen­sei­ti­gen Ver­pflich­tung der Ehe­leu­te, ihre Fami­lie ange­mes­sen zu unter­hal­ten, han­delt es sich um die bedeut­sams­te Aus­prä­gung der ehe­li­chen Grund­pflicht zur Lebens­ge­mein­schaft [12]. Ein wesent­li­cher Bestand­teil des Unter­halts ist die Gewäh­rung einer ange­mes­se­nen Woh­nung (§ 1360a BGB). Auch hier kommt es nicht dar­auf an, dass das Haus ab 2007 im Allein­ei­gen­tum der Ehe­frau steht. Inso­weit besteht kein Unter­schied zwi­schen den denk­ba­ren Fall­ge­stal­tun­gen, z.B. Allein­ei­gen­tum, Mit­ei­gen­tum oder Fremd­ei­gen­tum (Mie­te). In allen Fäl­len sind die lau­fen­den Zah­lun­gen für den Wohn­be­darf der Fami­lie Bestand­teil des Unter­halts.

Allen­falls die Über­tra­gung des Mit­ei­gen­tums­an­teils des Ehe­man­nes auf die Ehe­frau mit nota­ri­el­lem Ver­trag vom 07.02.2007 könn­te eine Zuwen­dung dar­stel­len. Die­ser Vor­gang lag jedoch zeit­lich vor dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010, so dass § 278 Abs. 2 AO kei­ne Anwen­dung fin­den kann. Das Finanz­amt war dies­be­züg­lich auch nicht schutz­los gestellt, weil es recht­zei­tig hät­te reagie­ren und die Über­tra­gung anfech­ten kön­nen. In Fra­ge gekom­men wäre eine Anfech­tung nach dem Anfech­tungs­ge­setz oder nach den gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen des § 278 AO, wenn Steu­er­rück­stän­de aus dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007 (oder ggf. frü­her) betrof­fen gewe­sen wären [13].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2019 – VII R 18/​17

  1. BFH, Urteil vom 29.11.1983 – VII R 22/​83, BFHE 140, 138, BStBl II 1984, 287[]
  2. BT-Drs. VI/​1982 zu § 262 AO, S. 179[]
  3. BFH, Beschluss vom 30.09.2010 – VII B 61/​10, BFH/​NV 2011, 195; Horn in Schwarz/​Pahlke, AO/​FGO, § 278 AO Rz 5; Mül­ler-Eiselt in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 278 AO Rz 6; Kühnen/​Seibel in: Lippross/​Seibel, Basis­kom­men­tar Steu­er­recht, 117. Lie­fe­rung 01.2020 § 278 AO Rz 4[]
  4. Mül­ler-Eiselt in HHSp, § 278 AO Rz 9; Klein/​Werth, AO, 14. Aufl., § 278 Rz 7; Zel­ler-Mül­ler in Gosch, AO § 278 Rz 9[]
  5. BFH, Urtei­le vom 06.05.2015 – II R 34/​13, BFHE 250, 197, BStBl II 2015, 821; vom 18.07.2013 – II R 37/​11, BFHE 242, 158, BStBl II 2013, 934[]
  6. Horn in Schwarz/​Pahlke, a.a.O., § 278 AO Rz 8; Mül­ler-Eiselt in HHSp, § 278 AO Rz 10; Zel­ler-Mül­ler in Gosch, a.a.O., § 278 Rz 10[]
  7. BFH, Urteil vom 20.09.1994 – VII R 40/​93, BFH/​NV 1995, 485[]
  8. BFH, Beschluss vom 25.03.2013 – VII B 85/​12, BFH/​NV 2013, 1105[]
  9. BGH, Urtei­le vom 17.05.1983 – IX ZR 14/​82, BGHZ 87, 265; vom 03.11.1983 – IX ZR 104/​82, NJW 1984, 795; bestä­tigt: BGH, Urtei­le vom 25.11.1987 – IVb ZR 95/​86, NJW-RR 1988, 259; vom 30.11.1994 – XII ZR 59/​93, NJW 1995, 652; und vom 13.04.2000 – IX ZR 372/​98, NJW 2000, 1944; s.a. Palandt/​Grüneberg, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 79. Aufl., § 426 Rz 11[]
  10. vgl. Nie­der­säch­si­sches FG, Urteil vom 10.05.2011 – 12 K 287/​10, EFG 2012, 207[]
  11. vgl. hier­zu BFH, Urteil vom 19.08.2008 – IX R 78/​07, BFHE 222, 489, BStBl II 2009, 299: Allein­ei­gen­tum des ande­ren Ehe­gat­ten; BGH, Urteil in NJW 1995, 652: Mit­ei­gen­tum[]
  12. Münch­KommBGB/­We­ber-Mon­ecke, 8. Aufl., § 1360 Rz 1[]
  13. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2011, 195[]