Das Zwi­schen­ur­teil des Finanz­ge­richts

Nach § 99 Abs. 2 FGO kann das Gericht durch Zwi­schen­ur­teil über eine ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach- oder Rechts­fra­ge vor­ab ent­schei­den, wenn dies sach­dien­lich ist und nicht der Klä­ger oder der Beklag­te wider­spricht.

Das Zwi­schen­ur­teil des Finanz­ge­richts

Obwohl das Gericht nach dem Wort­laut des § 99 Abs. 2 FGO nur über "eine" ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach- oder Rechts­fra­ge vor­ab ent­schei­den kann, lässt die Vor­schrift ent­spre­chend ihrem Zweck auch ein Zwi­schen­ur­teil über meh­re­re ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach- oder Rechts­fra­gen zu 1. Ent­spre­chend kön­nen die ein­zel­nen Fest­stel­lun­gen des Zwi­schen­ur­teils in der Revi­si­ons­in­stanz auch einem eigen­stän­di­gen pro­zes­sua­len Schick­sal unter­lie­gen 2.

Ent­schei­dungs­er­heb­lich sind danach nur sol­che Vor­fra­gen, ohne deren Beant­wor­tung ein Urteil über die gel­tend gemach­te Rechts­be­ein­träch­ti­gung nicht mög­lich ist 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Die Ent­schei­dung über die Kla­ge gegen den Bescheid über den Gewer­be­steu­er­mess­be­trag 2008 hängt davon ab, ob die Vor­aus­set­zun­gen für eine Hin­zu­rech­nung nach § 8 Nr. 1 Buchst. d und e GewStG vor­la­gen, was u.a. vor­aus­setzt, dass die betref­fen­den Wirt­schafts­gü­ter zum Anla­ge­ver­mö­gen der Klä­ge­rin gehö­ren wür­den, wenn sie in deren Eigen­tum stün­den. Die Vor­ab­ent­schei­dung über die­se Rechts­fra­ge ist auch sach­dien­lich. Da es sich um eine vom Bun­des­fi­nanz­hof zu klä­ren­de Grund­satz­fra­ge han­delt, ist davon aus­zu­ge­hen, dass bei einer Ver­nei­nung der Hin­zu­rech­nungs­vor­aus­set­zun­gen der Rechts­streit im wei­te­ren finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren rasch bei­gelegt wer­den kann. Dem steht auch nicht der Ein­wand der Klä­ge­rin ent­ge­gen, dass das Finanz­ge­richt die Fra­ge der Trenn­bar­keit der Auf­wen­dun­gen noch nicht beant­wor­tet habe und des­halb das Zwi­schen­ur­teil noch kei­ne end­gül­ti­ge Klä­rung über das "Ob" der Hin­zu­rech­nung lie­fern kön­ne. Denn das Finanz­ge­richt ist in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den von der Trenn­bar­keit der ein­zel­nen Ver­trags­be­stand­tei­le aus­ge­gan­gen und hat nur den Auf­tei­lungs­maß­stab offen­ge­las­sen. Auch haben die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten dem Erlass eines Zwi­schen­ur­teils nicht wider­spro­chen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Juli 2019 – III R 22/​16

  1. BFH, Urteil vom 17.12.2008 – – III R 22/​06, BFH/​NV 2009, 1087, unter II. 1.a; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 99 FGO Rz 28[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 04.02.1999 – IV R 54/​97, BFHE 187, 418, BSt­Bl II 2000, 139, unter II. am Anfang; vom 02.06.2016 – IV R 23/​13, BFH/​NV 2016, 1433; BFH, Beschluss vom 09.02.2006 – VIII B 52/​05, BFH/​NV 2006, 1155, unter 1., jeweils zur Teil­auf­he­bung eines meh­re­re Fest­stel­lun­gen umfas­sen­den Zwi­schen­ur­teils[]
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2016, 1433, Rz 19, m.w.N.[]