Daten­über­las­sung an die Finanz­ver­wal­tung – und kein Zurück­be­hal­tungs­recht des Steu­er­be­ra­ters

Ein Steu­er­be­ra­ter ist nach Ansicht des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Finanz­ge­richts auch dann gem. §§ 147 Abs. 6, 97, 104 Abs. 2 AO zur Über­las­sung eines Daten­sticks mit der Buch­füh­rung sei­nes (ehe­ma­li­gen) Man­da­ten an die Finanz­ver­wal­tung bzw. alter­na­tiv zur Frei­ga­be der Daten bei der DATEV e.G. ver­pflich­tet, wenn er gegen­über dem (ehe­ma­li­gen) Man­dan­ten Zurück­be­hal­tungs­rech­te aus § 66 StBerG bzw. § 273 BGB gel­tend macht.

Daten­über­las­sung an die Finanz­ver­wal­tung – und kein Zurück­be­hal­tungs­recht des Steu­er­be­ra­ters

Antrag­stel­le­rin in dem hier vom Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Finanz­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist eine Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft, die von einem Steu­er­pflich­ti­gen mit sei­ner steu­er­li­chen Ver­tre­tung beauf­tragt wor­den war. Die­ser war buch­füh­rungs­pflich­tig und ermit­tel­te sei­nen Gewinn durch Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich. Für die Jah­re 2010 bis 2012 hat­te die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft die Steu­er­erklä­run­gen und Gewinn­ermitt­lun­gen für den Steu­er­pflich­ti­gen gefer­tigt, ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2013 war ein neu­er Steu­er­be­ra­ter tätig gewor­den.

Das Finanz­amt ord­ne­te im Jahr 2014 beim Steu­er­pflich­ti­gen eine Außen­prü­fung für die Jah­re 2010 bis 2012 an. Im Rah­men der Prü­fungs­vor­be­rei­tung teil­te der neue Steu­er­be­ra­ter dem Prü­fer mit, dass die erfor­der­li­chen Unter­la­gen sich bei der zuvor man­da­tier­ten Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft befän­den, die wegen offe­ner Hono­rar­for­de­run­gen ein Zurück­be­hal­tungs­recht gel­tend mache.

Per Bescheid for­der­te das Finanz­amt dar­auf­hin die­se Steu­er­be­ra­te­rungs­ge­sell­schaft auf, für den Steu­er­pflich­ti­gen einen dem GDPdU-Stan­dard ent­spre­chen­den Daten­trä­ger mit den Buch­füh­rungs­da­ten zur Durch­füh­rung einer Betriebs­prü­fung für die Jah­re 2010 bis 2012 (Ein­kom­men, Gewer­be- und Umsatz­steu­er) unver­züg­lich her­aus­zu­ge­ben, hilfs­wei­se gegen­über der DATEV e.G. unver­züg­lich schrift­lich die Zustim­mung zur Erstel­lung und Über­sen­dung eines ent­spre­chen­den Daten­trä­gers zu erklä­ren. Den dage­gen gerich­te­ten Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Finanz­ge­richt abge­lehnt:

Ein Steu­er­be­ra­ter sei gem. §§ 147 Abs. 6, 97, 104 Abs. 2 AO zur Über­las­sung eines Daten­sticks mit der Buch­füh­rung sei­nes Man­da­ten an die Finanz­ver­wal­tung bzw. alter­na­tiv zur Frei­ga­be der Daten bei der DATEV e.G. ver­pflich­tet. Dem stün­den die Zurück­be­hal­tungs­rech­te aus § 66 StBerG bzw. § 273 BGB gegen­über dem Man­dan­ten nicht ent­ge­gen. Der Umstand, dass es zwi­schen dem Steu­er­be­ra­ter und dem Steu­er­pflich­ti­gen zivil­recht­li­che Strei­tig­kei­ten über die jewei­li­ge Erfül­lung der Ver­trags­pflich­ten gebe und ggf. der Steu­er­be­ra­ter auch eine Betrugs­an­zei­ge gegen den Steu­er­pflich­ti­gen erhe­be, ände­re nichts dar­an, dass im Ver­hält­nis zum Finanz­amt die Unter­la­gen "für" den Steu­er­pflich­ti­gen auf­be­wahrt wer­den. Dabei sei­en Urkun­den im Sin­ne des § 97 Abs. 1 AO auch Aus­dru­cke der Kon­ten der Finanz­buch­füh­rung, die Jour­na­le, die Pri­ma­no­ten und die Sum­men- und Sal­den­lis­ten.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Finanz­ge­richt, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2015 – 2 V 95/​15 1

  1. nicht rechts­kräf­tig, Bech­wer­de­ver­fah­ren beim BFH – II B 97/​15[]