Ame­ri­k­an­si­che LLC und deut­sches Steu­er­recht

Eine in den USA wegen ihrer Fle­xi­bi­li­tät und ihrer Haf­tungs­be­gren­zung belieb­te Gesell­schafts­form ist die Limi­ted Lia­bi­li­ty Com­pa­ny (LLC), die struk­tu­rell einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ähn­lich ist, die jedoch die steu­er­li­che Behand­lung als Per­so­nen­ge­sell­schaft wäh­len kann. Betei­ligt sich ein Inlän­der an einer sol­chen Gesell­schaft, bean­sprucht die Finanz­ver­wal­tung für dar­aus resul­tie­ren­de Divi­den­den das deut­sche Besteue­rungs­recht, sofern die LLC in ihrer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung tat­säch­lich die Merk­ma­le einer Kapi­tal­ge­sell­schaft erfüllt; auf die steu­er­li­che Behand­lung der LLC in den USA soll es dann nicht ankom­men.

Ame­ri­k­an­si­che LLC und deut­sches Steu­er­recht

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die­se Sicht der Finanz­ver­wal­tung durch ein aktu­el­les Urteil bestä­tigt. Kon­kret ging es um die Betei­li­gung eines Inlän­ders an einer LLC, die nach den Geset­zen des Staa­tes Flo­ri­da in den USA errich­tet wor­den war. Der inlän­di­sche Gesell­schaf­ter hat­te sei­ne Gewinn­an­tei­le aus der Betei­li­gung an die­ser LLC bereits in den USA ver­steu­ert. Die Ent­schei­dung des BFH kann also eine Dop­pel­be­steue­rung zur Fol­ge haben, die aller­dings durch Anrech­nung der in den USA gezahl­ten Steu­er auf die deut­sche Steu­er­fest­set­zung abge­mil­dert wird.

Das Urteil des BFH ist noch zu der bis­he­ri­gen Rege­lungs­la­ge nach dem Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men (DBA) zwi­schen Deutsch­land und den USA ergan­gen. Am Ergeb­nis dürf­te sich aller­dings nach der Neu­fas­sung die­ses DBA (mit Wir­kung vom 28. Dezem­ber 2007 an) nichts ändern. Auch danach käme es dar­auf an, ob die US-LLC aus deut­scher Sicht als Per­so­nen­ge­sell­schaft oder als Kapi­tal­ge­sell­schaft zu qua­li­fi­zie­ren ist.

  1. Eine nach dem Recht des Staa­tes Flo­ri­da gegrün­de­te US-ame­ri­ka­ni­sche LLC, wel­che in den USA infol­ge der Aus­übung des dort gege­be­nen steu­er­li­chen Wahl­rechts nicht mit der dor­ti­gen Cor­po­ra­te Tax besteu­ert, son­dern wie eine Per­so­nen­ge­sell­schaft behan­delt wird, ist nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b DBA-USA 1989 a.F. nur inso­weit eine in den USA ansäs­si­ge und damit abkom­mens­be­rech­tig­te Per­son, als die von der Gesell­schaft bezo­ge­nen Ein­künf­te in den USA bei der Gesell­schaft oder bei ihren in den USA ansäs­si­gen Gesell­schaf­tern wie Ein­künf­te dort Ansäs­si­ger besteu­ert wer­den.
  2. Das Besteue­rungs­recht für Ein­künf­te, die der inlän­di­sche Gesell­schaf­ter aus der Betei­li­gung an einer sol­chen LLC bezieht, gebührt nur dann nach Art. 7 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F. den USA, wenn es sich bei der LLC auch aus deut­scher Sicht um eine Per­so­nen­ge­sell­schaft han­delt, wel­che dem Gesell­schaf­ter in den USA eine Betriebs­stät­te ver­mit­telt. Han­delt es sich aus deut­scher Sicht hin­ge­gen um eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, gebührt das Besteue­rungs­recht für die Ein­künf­te nach Art. 21 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F. Deutsch­land; ein vor­ran­gi­ges Besteue­rungs­recht der USA schei­det für die­se Ein­künf­te sowohl nach Art. 7 Abs. 1 als auch nach Art. 10 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F. aus.
  3. Über die Qua­li­fi­zie­rung der LLC als Per­so­nen­ge­sell­schaft oder als Kapi­tal­ge­sell­schaft ent­schei­det nach stän­di­ger Recht­spre­chung ein sog. Typen­ver­gleich. Die dafür spe­zi­ell bezo­gen auf eine US-ame­ri­ka­ni­sche LLC zu berück­sich­ti­gen­den Merk­ma­le ent­hält das BMF-Schrei­ben in BSt­Bl I 2004, 411.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. August 2008 – I R 34/​08

  1. BFH, Urteil vom 17. Juli 2008 – I R 84/​04 []