Besteue­rung aus­län­di­scher Invest­ment­an­tei­le

Die Finanz­ver­wal­tung reagiert auf ein Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Besteue­rung aus­län­di­scher Invest­ment­an­tei­le nach § 18 Absatz 3 Aus­lIn­vestmG1, in dem der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den hat­te, dass die Pau­schal­be­steue­rung nach § 18 Abs. 3 Sät­ze 1 bis 4 Aus­lIn­vestmG ohne Nach­weis­mög­lich­keit der tat­säch­lich erziel­ten Erträ­ge gegen die euro­pa­recht­li­che Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit ver­stößt, weil sie die Anle­ger aus­lä­di­scher Fonds gegen­über Anle­gern inlän­di­scher Fonds dis­kri­mi­niert.

Besteue­rung aus­län­di­scher Invest­ment­an­tei­le

Die Finanz­ver­wal­tung möch­te die­ses Urteil über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus auf alle noch offe­nen Ver­an­la­gungs­fäl­le nun mit bestimm­ten Maß­ga­ben anzu­wen­den, durch die u.a. auch bestimm­te Län­der von der Anwen­dung aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len:

Räum­li­cher Anwen­dungs­be­reich:

Das Urteil ist nach Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung nur in Bezug auf Invest­ment­ver­mö­gen in Mit­glied­staa­ten der EU und in Ver­trags­staa­ten des EWR anzu­wen­den, sofern zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem EWR-Staat auf Grund der Richt­li­nie 77/​799/​EWG des Rates vom 19. Dezem­ber 1977 über die gegen­sei­ti­ge Amts­hil­fe zwi­schen den zustän­di­gen Behör­den der Mit­glied­staa­ten im Bereich der direk­ten Steu­ern und der Mehr­wert­steu­er2 in der jeweils gel­ten­den Fas­sung oder einer ver­gleich­ba­ren zwei- oder mehr­sei­ti­gen Ver­ein­ba­rung Aus­künf­te erteilt wer­den, die erfor­der­lich sind, um die Besteue­rung durch­zu­füh­ren.

Steu­er­li­cher Anwen­dungs­be­reich:

Zur Gewähr­leis­tung einer dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Behand­lung wer­den die Anle­ger aus­län­di­scher Invest­ment­ver­mö­gen unter der zeit­li­chen Gel­tung des Aus­lIn­vestmG nach den Vor­schrif­ten des KAGG besteu­ert. Das gilt für die Anle­ger so genann­ter wei­ßer Fonds nach § 17 Aus­lIn­vestmG, grau­er Fonds nach § 18 Absatz 1 Aus­lIn­vestmG und schwar­zer Fonds nach § 18 Absatz 3 Aus­lIn­vestmG.

Dem Steu­er­pflich­ti­gen obliegt, so das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in sei­nem Anwen­dungs­er­lass, eine erhöh­te Mit­wir­kungs­pflicht nach § 90 AO. Wenn eine genaue Ermitt­lung der Ein­künf­te nicht mög­lich ist, hat das Finanz­amt die Ein­künf­te nach § 162 AO zu schät­zen. Die Schät­zung kann erfol­gen in Anleh­nung an die Ver­zin­sungs­re­ge­lun­gen der AO bzw. an § 5 Absatz 3 und § 6 InvStG, wobei im Ver­äu­ße­rungs-/Rück­ga­be­jahr ein zeit­an­tei­li­ger Ansatz anzu­wen­den ist.

Die Anwen­dung der steu­er­li­chen Vor­schrif­ten des KAGG und ins­be­son­de­re der Vor­schrif­ten des Halb­ein­künf­te­ver­fah­rens nach §§ 40, 40a KAGG kommt nur für alle offe­nen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me ein­heit­lich in Betracht. Ein Wech­sel der Ein­künf­teer­mitt­lung zwi­schen den Vor­schrif­ten des KAGG und des Aus­lIn­vestmG ist grund­sätz­lich nicht zuläs­sig, weil ins­be­son­de­re der Akti­en­ge­winn nach § 41 Absatz 5 i. V. m. § 40a Absatz 1 KAGG auf den jewei­li­gen Vor­jah­res­wer­ten auf­baut.

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 6. Juli 2009 – IV C 1 – S 1980‑a/​07/​0001 [2009/​0452215]

  1. BFH, Urteil vom 18. Novem­ber 2008 – VIII R 24/​07 []
  2. ABl. EG Num­mer L 336, S. 15, zuletzt geän­dert durch die Richt­li­nie 2006/​98/​EWG des Rates vom 20. Novem­ber 2006 (ABl. EU Num­mer L 363, S. 129) []