Pro­fi­sport­ler in der Steu­er­oa­se

Gegen­wär­tig erfreu­en sich aus aktu­el­lem Anlass The­men wie “Steu­er­flucht” und “Steu­er­oa­se” einer beson­de­ren Beach­tung. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat dazu in einem heu­te ver­öf­fent­lich­ten Urteil ver­deut­licht, dass die gegen­wär­ti­gen Steu­er­re­ge­lun­gen nur begrenzt geeig­net sind, den deut­schen Steu­er­zu­griff beim Weg­zug ver­mö­gen­der Steu­er­pflich­ti­ger in sog. Steu­er­oa­sen sicher­zu­stel­len:

Pro­fi­sport­ler in der Steu­er­oa­se

Ver­legt ein Berufs­sport­ler sei­nen Wohn­sitz in das Aus­land, dann ist er in Deutsch­land zwar nicht mehr mit sei­nem gesam­ten Ein­kom­men steu­er­pflich­tig. Er bleibt dies jedoch mit sei­nen Ein­künf­ten aus Sport­ver­an­stal­tun­gen, die in Deutsch­land statt­fin­den, und unter­fällt inso­weit der beschränk­ten Steu­er­pflicht. Anders ver­hält es sich aber im Grund­satz mit sol­chen Ein­künf­ten, die er in Deutsch­land durch Wer­be­ein­nah­men erzielt. Sol­che Ein­künf­te sind nur dann beschränkt steu­er­pflich­tig, wenn sie aus der Über­las­sung von Per­sön­lich­keits­rech­ten resul­tie­ren, also des Rechts am Namen oder am Bild des Sport­lers. Hin­ge­gen sind ‚akti­ve’ Wer­be­leis­tun­gen, bei­spiels­wei­se durch das Mit­wir­ken in Wer­be­fil­men, bei Foto­re­kla­men, Pres­se­kon­fe­ren­zen oder Auto­gramm­stun­den, nicht steu­er­pflich­tig. Sie unter­fal­len auch nicht der sog. erwei­tert beschränk­ten Steu­er­pflicht in § 2 des Außen­steu­er­ge­set­zes. Die­ser Para­graph soll zwar gera­de der ‚Steu­er­flucht’ durch Weg­zug in ein Nied­rig­steu­er­land ent­ge­gen­wir­ken, indem er die weg­zie­hen­de Per­son für zehn Jah­re nach dem Weg­zug unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen der deut­schen Steu­er­pflicht unter­wirft. Er hat nach Auf­fas­sung des BFH aber tat­be­stand­li­che Män­gel, um die­ses Ziel wirk­sam zu errei­chen.

Im kon­kre­ten Fall ging es um einen Berufs­sport­ler, der in eine sol­che “Steu­er­oa­se” umge­zo­gen war, der aber in den Fol­ge­jah­ren noch beträcht­li­che Wer­be­ein­künf­te in Deutsch­land erwirt­schaf­tet hat­te. Der BFH ent­schied, dass es sich hier­bei zum Groß­teil um aus­län­di­sche Ein­künf­te han­del­te, die durch eine Aus­lands­be­triebs­stät­te – die Woh­nung des Sport­lers in der “Steu­er­oa­se” – erzielt wur­den. Sol­che Ein­künf­te wer­den von der fort­be­stehen­den deut­schen Steu­er­pflicht aber nur in ein­ge­schränk­tem Umfang bei Ver­wer­tung von Per­sön­lich­keits­rech­ten erfasst. Ansons­ten blei­ben sie unbe­steu­ert. Der BFH hat damit eine ent­ge­gen­ste­hen­de Pra­xis der Finanz­ver­wal­tung ver­wor­fen.

1. Nicht aus­län­di­sche Ein­künf­te i.S. von § 2 Abs. 1 AStG i.V.m. § 34c Abs. 1 EStG sind auch sol­che aus beschränk­ter Steu­er­pflicht i.S. von § 1 Abs. 4 und § 49 EStG.

2. Bei den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb, die ein Berufs­sport­ler durch Wer­be­ein­nah­men (z.B. durch das Mit­wir­ken in Wer­be­fil­men, bei Foto­re­kla­men, Pres­se­kon­fe­ren­zen oder Auto­gramm­stun­den, Über­las­sung von Namens- und Bild­rech­ten) erzielt, han­delt es sich um aus­län­di­sche Ein­künf­te i.S. des § 34c Abs. 1 i.V.m. § 34d Nr. 2 Buchst. a EStG, wenn sie durch eine in einem aus­län­di­schen Staat bele­ge­ne Betriebs­stät­te erzielt wer­den. Eine sol­che Betriebs­stät­te kann der Wohn­sitz sein, wenn sich dort der Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit befin­det und wenn von die­sem aus die geschäft­li­chen Pla­nun­gen vor­ge­nom­men wer­den. Der Sport­ler unter­fällt mit den der Betriebs­stät­te zuzu­rech­nen­den Wer­be­ein­künf­ten auch dann nicht der “erwei­tert” beschränk­ten Steu­er­pflicht nach § 2 AStG, wenn er in einem Land mit nied­ri­ger Besteue­rung ansäs­sig ist (ent­ge­gen BMF-Schrei­ben vom 2. Dezem­ber 1994, BSt­Bl I 1995, Son­der­num­mer 1; nun­mehr BMF-Schrei­ben vom 14. Mai 2004, BSt­Bl I 2004, Son­der­num­mer 1, dort jew. Tz. 2.5.0.1 Nr. 1 Buchst. a).

3. Über­lässt ein im Aus­land ansäs­si­ger Berufs­sport­ler einem ande­ren Rech­te an sei­ner Per­son (Namens­recht, Recht am eige­nen Bild), so unter­lie­gen die dafür gezahl­ten Ver­gü­tun­gen unbe­scha­det des gewerb­li­chen Cha­rak­ters der Rech­te­über­las­sung dann der “ein­fach” beschränk­ten Steu­er­pflicht gemäß § 49 Abs. 1 Nr. 6 EStG, wenn es sich um eine bloß pas­si­ve Nut­zungs­über­las­sung han­delt, die im Grund­satz nicht mit akti­ven Dienst­leis­tun­gen ver­bun­den ist (Anschluss und Abgren­zung von dem Senats­ur­teil vom 28. Janu­ar 2004 I R 73/​02, BFHE 205, 174, BSt­Bl II 2005, 550).

4. § 2 AStG steht gegen­über § 49 EStG im Ver­hält­nis der Spe­zia­li­tät (Bestä­ti­gung des Senats­be­schlus­ses vom 3. Novem­ber 1982 I R 3/​79, BFHE 137, 275, BSt­Bl II 1983, 259). Im Rah­men der Ver­an­la­gung gemäß § 2 Abs. 5 AStG sind des­we­gen nur sol­che Ein­künf­te aus beschränk­ter Steu­er­pflicht gemäß § 49 EStG ein­zu­be­zie­hen, die zu ver­an­la­gen sind, nicht jedoch Ein­künf­te, bei denen die dar­auf ent­fal­len­de Ein­kom­men­steu­er im Wege des Steu­er­ab­zugs als abge­gol­ten gilt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2007 – I R 19/​06