Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ver­ord­nung

Das Bun­des­ka­bi­nett hat heu­te die Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ver­ord­nung beschlos­sen, mit der das vor weni­gen Wochen vom Deut­schen Bun­des­tag und Bun­des­rat ver­ab­schie­de­ten Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ge­setz umge­setzt wer­den soll. Die Ver­ord­nung bedarf noch der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes.

Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ver­ord­nung

Das Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ge­setz ermäch­tigt die Bun­des­re­gie­rung, durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes beson­de­re Mit­wir­kungs­pflich­ten und Nach­weis­pflich­ten für Geschäfts­be­zie­hun­gen zu Staa­ten und Gebie­ten fest­zu­le­gen, die in Steu­er­sa­chen nicht zum Aus­kunfts­aus­tausch ent­spre­chend dem aktu­el­len OECD-Stan­dard bereit sind (den soge­nann­ten „nicht koope­rie­ren­de Juris­dik­tio­nen“). Bei Nicht­er­fül­lung die­ser Pflich­ten ermög­licht das Gesetz, bestimm­te steu­er­li­che Vor­schrif­ten ganz oder teil­wei­se nicht anzu­wen­den, etwa den Abzug von Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten zu ver­sa­gen.

Die Ver­ord­nung kon­kre­ti­siert nun die­se beson­de­ren Mit­wir­kungs- und Nach­weis­pflich­ten und regelt zudem den Zeit­punkt der erst­ma­li­gen Anwen­dung der durch das Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ge­setz geän­der­ten Vor­schrif­ten der Abga­ben­ord­nung.

Geschäfts­be­zie­hun­gen in Steu­er­oa­sen

Im Ein­zel­nen regelt die Steu­er­hin­ter­zie­hungs­be­kämp­fungs­ver­ord­nung, dass bei Geschäf­ten mit Geschäfts­part­nern in die­sen Län­dern und Gebie­ten

  • Ein­nah­men nur dann durch Abzug von Betriebs­aus­ga­ben bzw. Wer­bungs­kos­ten gemin­dert wer­den dür­fen, wenn beson­de­re Nach­weis­pflich­ten erfüllt wer­den;
  • bei Geschäft­be­zie­hun­gen zu nahe ste­hen­den Per­so­nen die bereits bestehen­den Auf­zeich­nungs­pflich­ten in jedem Fall zeit­nah erfüllt wer­den müs­sen,
  • auch für Geschäfts­be­zie­hun­gen zu frem­den Drit­ten bestimm­te Auf­zeich­nungs­pflich­ten erfüllt wer­den müs­sen, die sonst nur bei Geschäf­ten mit nahe ste­hen­den Per­so­nen gel­ten.
    Die­se Auf­zeich­nun­gen müs­sen ent­hal­ten:
    • Art und Umfang der Geschäfts­be­zie­hun­gen
    • Ver­trä­ge und Ver­ein­ba­run­gen
    • genutz­te Wirt­schafts­gü­ter, auch imma­te­ri­el­le wie Nut­zungs­rech­te oder Paten­te
    • die gewähl­ten Geschäfts­stra­te­gi­en
  • wenn der Geschäfts­part­ner eine Gesell­schaft ist: alle Per­so­nen, die (auch mit­tel­bar) Gesell­schaf­ter oder Anteils­eig­ner die­ser Gesell­schaft in einem nicht koope­rie­ren­den Staat oder Gebiet sind. Dies gilt jedoch nicht, soweit mit dem Groß­teil der Akti­en der Gesell­schaft oder der Gesell­schaf­ter oder Anteils­eig­ner regel­mä­ßig an einer aner­kann­ten Bör­se gehan­delt wird.

Bestehen die Geschäfts­be­zie­hun­gen nur zu ein­zel­nen Per­so­nen, so müs­sen die­se beson­de­ren Auf­zeich­nun­gen nach einer Baga­tell­re­ge­lung nicht geführt wer­den, wenn die gezahl­ten Ent­gel­te die Sum­me von 10.000 € je Per­son nicht über­schrei­ten.

Bank­kon­ten und Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen in Steu­er­oa­sen

Wer Geschäfts­be­zie­hun­gen zu aus­län­di­schen Kre­dit­in­sti­tu­ten in nicht nach OECD-Stan­dard koope­rie­ren­den Staa­ten und Gebie­ten unter­hält, muss die­sen erlau­ben, den deut­schen Behör­den Aus­künf­te über ihn zu ertei­len und die Steu­er­ver­wal­tung zur Ein­ho­lung die­ser Aus­künf­te in sei­nem Namen bevoll­mäch­ti­gen.

Steu­er­ermä­ßi­gun­gen oder ‑frei­stel­lun­gen im Zusam­men­hang mit Divi­den­den­zah­lun­gen, die von aus­län­di­schen Gesell­schaf­ten zuflie­ßen oder an die­se geleis­tet wer­den, wer­den ein­ge­schränkt, wenn kei­ne Koope­ra­ti­on des betref­fen­den Ansäs­sig­keits­staa­tes oder ‑gebie­tes statt­fin­det und der Steu­er­pflich­ti­ge die erhöh­ten Mit­wir­kungs- und Nach­weis­pflich­ten nicht erfüllt..

Betrof­fe­ne Steu­er­oa­sen

Die Benen­nung der nicht koope­rie­ren­den Juris­dik­tio­nen, die in den Anwen­dungs­be­reich des Geset­zes fal­len, wird durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen mit Zustim­mung der obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der sowie im Ein­ver­neh­men mit dem Aus­wär­ti­gen Amt und dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie in einem im Bun­des­steu­er­blatt bekannt zu geben­den Schrei­ben ver­öf­fent­licht wer­den.

Staa­ten oder Gebie­te sol­len dann in ein sol­ches Schrei­ben auf­ge­nom­men wer­den, wenn sie kei­nen Aus­kunfts­aus­tausch nach OECD-Stan­dard ermög­li­chen und sie auch nach Auf­for­de­rung auf diplo­ma­ti­schem Wege nicht bereit sind, in Gesprä­che zum Abschluss einer bila­te­ra­len Ver­ein­ba­rung zur Umset­zung des OECD-Stan­dards ein­zu­tre­ten und sich wei­ter­hin wei­gern, Aus­künf­te in Steu­er­sa­chen zu ertei­len und einen dem OECD-Stan­dard ent­spre­chen­den Aus­kunfts­ver­kehr zu ver­ein­ba­ren.