Der über­gan­ge­ne Beweis­an­trag – und die spä­te­re Ver­fah­rens­rüge

Es liegt sowohl eine Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht (§ 76 Abs. 1 Satz 1 FGO) als auch des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes, § 96 Abs. 2 FGO) vor, wenn das Finanz­ge­richt einen aus sei­ner mate­ri­ell-recht­li­chen Sicht ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Beweis­an­trag ablehnt 1.

Der über­gan­ge­ne Beweis­an­trag – und die spä­te­re Ver­fah­rens­rüge

Soweit der betrof­fe­ne Klä­ger das Über­ge­hen von Beweis­an­trä­gen rügt, fehlt es aber an einer § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO genü­gen­den Dar­le­gung des Ver­fah­rens­man­gels, wenn der Klä­ger es ver­säumt hat, bestimm­te Beweis­an­trä­ge zu bezeich­nen, denen das Finanz­ge­richt nicht nach­ge­kom­men sei. Die pau­scha­le Bezug­nah­me auf Beweis­an­ge­bo­te dazu, dass mit den umlie­gen­den pri­va­ten Höfen kei­ne Wett­be­werbs­si­tua­ti­on bestan­den habe, reicht inso­weit nicht aus. Zudem fehlt es an einem sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag, inwie­fern das Urteil des Finanz­ge­richt auf dem Über­ge­hen der Beweis­an­trä­ge beru­hen kann 2.

Ein Ver­fah­rens­man­gel kann auch nicht mehr mit Erfolg gel­tend gemacht wer­den, wenn er eine Ver­fah­rens­vor­schrift betrifft, auf deren Beach­tung die Pro­zess­be­tei­lig­ten ver­zich­ten kön­nen und ver­zich­tet haben (§ 155 FGO i.V.m. § 295 der Zivil­pro­zess­ord­nung). Zu die­sen ver­zicht­ba­ren Män­geln gehört auch das Über­ge­hen von Beweis­an­trä­gen. Liegt ein sol­cher ver­zicht­ba­rer Ver­fah­rens­man­gel vor, so geht das Rüge­recht nicht nur durch eine aus­drück­li­che oder kon­klu­den­te Ver­zichts­er­klä­rung gegen­über dem Finanz­ge­richt ver­lo­ren, son­dern auch dadurch, dass der in der münd­li­chen Ver­hand­lung fach­kun­dig ver­tre­te­ne oder selbst fach­kun­di­ge Betei­lig­te dies in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht rügt, und zwar unab­hän­gig davon, ob ein Ver­zichts­wil­le gege­ben ist 3.

So ver­hält es sich auch in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall: Der Klä­ger hat aus­weis­lich des Sit­zungs­pro­to­kolls weder sei­ne schrift­sätz­lich ange­kün­dig­ten Beweis­an­trä­ge wie­der­holt noch das Unter­blei­ben die­ser Beweis­erhe­bun­gen gerügt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. August 2016 – V R 14/​15

  1. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 12.11.2012 – III B 186/​11, Rz 5; vom 15.12 2011 – X B 138/​10, BFH/​NV 2012, 595[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 10.12 2012 – X B 39/​11, Rz 19; vom 20.09.2012 – III B 44/​12, Rz 8[]
  3. z.B. BFH, Beschluss vom 12.11.2012 – III B 186/​11, BFH/​NV 2013, 236, Rz 5[]