Der erle­dig­te Ver­wal­tungs­akt – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Nach § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO kann, wenn ein mit der Kla­ge ange­foch­te­ner Ver­wal­tungs­akt sich im Ver­lauf des Kla­ge­ver­fah­rens erle­digt hat, das Gericht auf Antrag die Rechts­wid­rig­keit des Ver­wal­tungs­akts fest­stel­len, wenn der Klä­ger ein "berech­tig­tes Inter­es­se" an der Fest­stel­lung hat.

Der erle­dig­te Ver­wal­tungs­akt – und die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Die­se Rege­lung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­spre­chend anzu­wen­den, wenn ein Ver­wal­tungs­akt sich schon vor der Kla­ge­er­he­bung ‑im hier ent­schie­de­nen Streit­fall durch Auf­he­bung der Pfän­dun­gen- erle­digt hat 1. Mit dem gemäß § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO erfor­der­li­chen berech­tig­ten Inter­es­se ist jedes kon­kre­te, ver­nünf­ti­ger­wei­se anzu Inter­es­se recht­li­cher, tat­säch­li­cher oder wirt­schaft­li­cher Art gemeint; die begehr­te Fest­stel­lung muss geeig­net sein, in einem die­ser Berei­che zu einer Posi­ti­ons­ver­bes­se­rung des Klä­gers zu füh­ren 2.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall hat der Klä­ger hin­rei­chend sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen, Amts­haf­tungs­an­sprü­che (u.a. wegen des Nut­zungs­aus­falls hin­sicht­lich der gepfän­de­ten Fahr­zeu­ge) gel­tend machen zu wol­len. Außer­dem ist zwi­schen den Betei­lig­ten die Kos­ten­tra­gung für den Ein­satz strei­tig. Da über die­se Fra­gen von unter­schied­li­chen Gerich­ten zu ent­schei­den wäre ‑über die Kos­ten­tra­gung vom Finanz­ge­richt, über Amts­haf­tungs­an­sprü­che gemäß Art. 34 Satz 3 GG von den Zivilgerichten‑, hat der Klä­ger auch aus Grün­den der Ver­fah­rens­öko­no­mie und ‑kon­zen­tra­ti­on ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, dass über die Recht­mä­ßig­keit der Sach­pfän­dun­gen vor­ab durch eine Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ent­schie­den wird 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Okto­ber 2019 – VII R 6/​18

  1. vgl. etwa BFH, Urtei­le vom 04.12.2012 – VIII R 5/​10, BFHE 239, 19, BSt­Bl II 2014, 220; und vom 26.09.2007 – I R 43/​06, BFHE 219, 13, BSt­Bl II 2008, 134, m.w.N.[]
  2. vgl. etwa BFH, Urteil in BFHE 239, 19, BSt­Bl II 2014, 220[]
  3. vgl. auch FG Mün­chen, Urteil vom 18.12.2018 – 10 K 712/​18, EFG 2018, 521; inso­weit hier vom BFH bestä­tigt.[]