Der EuGH als gesetz­li­cher Rich­ter – die Vor­la­ge­pflicht deut­scher Gerich­te

Nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG darf nie­mand sei­nem gesetz­li­chen Rich­ter ent­zo­gen wer­den. Auch der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ist gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne die­ser Bestim­mung.

Der EuGH als gesetz­li­cher Rich­ter – die Vor­la­ge­pflicht deut­scher Gerich­te

Es kann daher einen Ent­zug des gesetz­li­chen Rich­ters dar­stel­len, wenn ein natio­na­les Gericht sei­ner Pflicht zur Anru­fung des Gerichts­hofs im Wege des Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on nicht nach­kommt [1].

Eine Gerichts­ent­schei­dung, in der eine mög­li­che Vor­la­ge an den Uni­ons­ge­richts­hof abge­lehnt wird, ver­stößt aller­dings nur dann gegen das Gebot des gesetz­li­chen Rich­ters, wenn das Gericht den ihm in sol­chen Fäl­len not­wen­dig zukom­men­den Beur­tei­lungs­rah­men in unver­tret­ba­rer Wei­se über­schrit­ten hat [2].

Dar­über hin­aus sind erst­in­stanz­li­che Gerich­te uni­ons­recht­lich nicht zur Vor­la­ge ver­pflich­tet. Dies gilt auch dann, wenn eine Zulas­sung des Rechts­mit­tels durch das obers­te Gericht erfor­der­lich ist [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2014 – III B 89/​13

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.02.2010 – 1 BvR 230/​09, BVerfGK 17, 108, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 04.09.2009 – IV K 1/​09, BFH/​NV 2010, 218; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2011 2 BvR 148/​11, BVerfGK 19, 265[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 31.05.1990 2 BvL 12, 13/​88, 2 BvR 1436/​87, BVerfGE 82, 159; BFH, Beschluss vom 09.11.2007 – IV B 169/​06, BFH/​NV 2008, 390; BFH, Beschluss vom 14.11.2008 – III B 17/​08, BFH/​NV 2009, 380[]