Der Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag – und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit

Ein Antrag auf Ver­län­ge­rung der Frist zur Ein­rei­chung der Revi­si­ons­be­grün­dung ist unwirk­sam, wenn er nicht durch einen ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Bevoll­mäch­tig­ten gestellt wor­den ist. Die auf den der­art gestell­ten Antrag vom Vor­sit­zen­den ver­füg­te Frist­ver­län­ge­rung ist jedoch trotz­dem wirk­sam und des­we­gen dem wei­te­ren Ver­fah­rens­fort­gang zugrun­de zu legen.

Der Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag – und die Pos­tu­la­ti­ons­fä­hig­keit

Vor­lie­gend war der Antrag auf Ver­län­ge­rung der Revi­si­ons­be­grün­dungs­frist nach § 120 Abs. 2 Satz 3 FGO nicht, wie nach § 62 Abs. 4 FGO aber erfor­der­lich 1, von einem hier­nach qua­li­fi­zier­ten Berufs­an­ge­hö­ri­gen als ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gestellt und unter­schrie­ben wor­den, son­dern von Steu­er­fach­an­ge­stell­ten K. Der Ver­län­ge­rungs­an­trag war damit unbe­acht­lich, was die Unzu­läs­sig­keit der Revi­si­on ins­ge­samt zur Fol­ge hät­te.

Eine Hei­lung des Ver­tre­tungs­man­gels durch nach­träg­li­che Geneh­mi­gung der Pro­zess­füh­rung durch einen zuge­las­se­nen Ver­tre­ter wäre nur inner­halb der Rechts­mit­tel­frist mög­lich, weil die Geneh­mi­gung nur für die Zukunft wirkt 2.

An einer sol­chen nach­träg­li­chen Geneh­mi­gung inner­halb des regu­lä­ren Fris­ten­laufs fehlt es hier. Den­noch wirkt sich der Ver­fah­rens­feh­ler im Ergeb­nis nicht aus, weil dem Antrag auf Frist­ver­län­ge­rung von dem dafür zustän­di­gen Vor­sit­zen­den (vgl. § 120 Abs. 2 Satz 3 FGO) ent­spro­chen wor­den ist. Die­se Ver­fah­rens­ver­fü­gung ist trotz des Ver­sto­ßes gegen den Ver­tre­tungs­zwang nicht nich­tig, sie behält des­we­gen für den Fort­gang des wei­te­ren Ver­fah­rens Bestand.

Der Bun­des­fi­nanz­hof folgt inso­weit der ein­schlä­gi­gen Spruch­pra­xis des Bun­des­ge­richts­hofs 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juni 2015 – I R 13/​13

  1. vgl. dazu BFH, Beschluss vom 20.10.1982 – I R 61/​82, BFHE 136, 575, BSt­Bl II 1983, 134[]
  2. s. dazu Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 62 Rz 74, m.w.N. zur Recht­spre­chung[]
  3. vgl. z.B. BGH, Beschlüs­se vom 22.10.1997 – VIII ZB 32/​97, NJW 1998, 1155; vom 18.11.2003 – VIII ZB 37/​03, NJW 2004, 1460; dem fol­gend auch BVerwG, Beschluss vom 22.04.2002 – 6 C 15/​01, HFR 2003, 414[]