Der nicht benann­te Geschäfts­füh­rer der kla­gen­den GmbH

Wegen der feh­len­den Anga­be des Geschäfts­füh­rers der kla­gen­den GmbH in der Kla­ge­schrift kann der Klä­ge­rin vom Finanz­ge­richt kei­ne Aus­schluss­frist nach § 65 Abs. 2 Satz 2 FGO gesetzt wer­den, wenn die­ser sich aus der der Kla­ge­schrift bei­gefüg­ten Ein­spruchs­ent­schie­dung des Finanz­am­tes ergibt.

Der nicht benann­te Geschäfts­füh­rer der kla­gen­den GmbH

Erfolgt gleich­wohl die Set­zung einer sol­chen Aus­schluss­frist und wird die Kla­ge in der Fol­ge wegen Unter­las­sens der nament­li­chen Bezeich­nung des Geschäfts­füh­rers inner­halb der gesetz­ten Aus­schluss­frist als unzu­läs­sig abge­wie­sen, so wird hier­durch der Anspruch der Klä­ge­rin auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs (§ 96 Abs. 2 FGO, Art. 103 Abs. 1 GG) ver­letzt 1.

Die kla­gen­de GmbH ist auch trotz Feh­lens der nament­li­chen Benen­nung ihres Geschäfts­füh­rers in der Kla­ge­schrift hin­rei­chend bezeich­net, sodass die Vor­aus­set­zun­gen für die Set­zung einer Aus­schluss­frist nach § 65 Abs. 2 FGO nicht gege­ben waren.

Gemäß § 65 Abs. 1 Satz 1 FGO muss die Kla­ge u.a. den Klä­ger bezeich­nen. Umstrit­ten ist, ob bei einer juris­ti­schen Per­son auch die nament­li­che Bezeich­nung des gesetz­li­chen Ver­tre­ters erfor­der­lich ist 2. Die Fra­ge braucht für den vor­lie­gen­den Fall nicht ent­schie­den zu wer­den, weil sich die Iden­ti­tät des Geschäfts­füh­rers der Klä­ge­rin hier aus der der Kla­ge­schrift bei­gefüg­ten Ein­spruchs­ent­schei­dung des Finanz­am­tes erge­ben hat. Eine zusam­men mit der Kla­ge­schrift beim Finanz­ge­richt ein­ge­reich­te Ein­spruchs­ent­schei­dung ist im Rah­men der Aus­le­gung der Kla­ge auch mit Blick auf die Anfor­de­run­gen des § 65 Abs. 1 Satz 1 FGO her­an­zu­zie­hen 3. Soweit das Finanz­ge­richt Zwei­fel dar­an gehabt haben soll­te, dass der dort bezeich­ne­te Geschäfts­füh­rer H im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung noch im Amt gewe­sen ist, hät­te es dies z.B. durch Anfor­de­rung eines Han­dels­re­gis­ter­aus­zugs über­prü­fen kön­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2015 – I B 42/​14

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 01.08.2014 – I B 129/​13, BFH/​NV 2014, 1767, m.w.N.[]
  2. beja­hend Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 65 FGO Rz 42; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 65 FGO Rz 7; Pahl­ke in Schwarz, FGO § 65 Rz 12, 27; a.A. Paetsch in Beermann/​Gosch, FGO § 65 Rz 21; offen­las­send BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 1767[]
  3. vgl. Bran­dis in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 65 FGO Rz 8; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 65 FGO Rz 42[]