Der recht­li­che Hin­weis in der münd­li­chen Verhandlung

Eine Über­ra­schungs­ent­schei­dung liegt nicht vor, wenn ein ent­spre­chen­der recht­li­cher Hin­weis in der münd­li­chen Ver­hand­lung gege­ben wird.

Der recht­li­che Hin­weis in der münd­li­chen Verhandlung

Eine Über­ra­schungs­ent­schei­dung liegt vor, wenn das Finanz­ge­richt sein Urteil auf einen bis dahin nicht erör­ter­ten recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt stützt und damit dem Rechts­streit eine Wen­dung gibt, mit der auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter selbst unter Berück­sich­ti­gung der Viel­zahl ver­tret­ba­rer Auf­fas­sun­gen nach dem bis­he­ri­gen Ver­lauf der Ver­hand­lung nicht rech­nen muss­te [1].

Einer umfas­sen­den Erör­te­rung der für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te bedarf es dabei nicht [2]. Auch obliegt dem Gericht kei­ne all­ge­mei­ne Hin­weis­pflicht in dem Sin­ne, dass es sei­ne mög­li­che Beur­tei­lung andeu­ten müss­te [3].

Soweit das Gericht­den betref­fen­den recht­li­chen Gesichts­punkt in der münd­li­chen Ver­hand­lung erör­tert hat, muss­te der Klä­ger allein schon aus die­sem Grund damit rech­nen, dass das Gericht die­sen Gesichts­punkt bei der Urteils­fin­dung berück­sich­ti­gen würde.

Soweit der Klä­ger vor­trägt, er habe durch die­sen über­ra­schen­den Hin­weis des Gerich­tes nicht mehr die Mög­lich­keit gehabt, auf die Mei­nungs­än­de­rung des Finanz­ge­richt zu reagie­ren, wird aus dem Vor­trag des Klä­gers bereits nicht deut­lich, wes­halb er nicht bean­tragt hat, die münd­li­che Ver­hand­lung zu ver­ta­gen oder eine wei­te­re Schrift­satz­frist zu gewäh­ren, obwohl laut Sit­zungs­pro­to­koll sei­ne bei­den sach- und fach­kun­di­gen Ver­tre­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung anwe­send waren. Da der Klä­ger zudem nicht vor­ge­tra­gen hat, dass das Finanz­ge­richt einen ent­spre­chen­den Antrag abge­lehnt hat, und sich hier­für auch kei­ne Anhalts­punk­te aus dem Sit­zungs­pro­to­koll erge­ben, kommt eine Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs unter die­sem Gesichts­punkt eben­falls nicht in Betracht [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 31. Juli 2014 – III B 13/​14

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 02.04.2002 – X B 56/​01, BFH/​NV 2002, 947[]
  2. BFH, Beschluss vom 25.05.2000 – VI B 100/​00, BFH/​NV 2000, 1235[]
  3. BFH, Beschluss vom 17.10.2012 – III B 68/​12, BFH/​NV 2013, 362[]
  4. vgl. hier­zu etwa BFH, Beschluss vom 10.04.2006 – X B 162/​05, BFH/​NV 2006, 1332[]

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  • Bun­des­fi­nanz­hof (BFH): Bild­rech­te beim Autor
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