Der spä­te Schrift­satz

Das Gericht ist ver­pflich­tet, einen Schrift­satz der Betei­lig­ten zu berück­sich­ti­gen, der zwar nach der Beschluss­fas­sung über das Urteil, aber vor des­sen Ver­kün­dung oder Zustel­lung ein­geht.

Der spä­te Schrift­satz

Kommt das Gericht die­ser Ver­pflich­tung nicht nach, so ver­letzt es den Anspruch des betrof­fe­nen Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör. Denn das Gericht muss Anträ­ge und Erklä­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis neh­men und in Erwä­gung zie­hen, die ihm vor dem Erge­hen der Ent­schei­dung zuge­hen.

Maß­ge­ben­der Zeit­punkt ist die Ver­kün­dung des Urteils oder sei­ne Her­aus­ga­be zur Zustel­lung. Han­delt es sich um ein auf­grund münd­li­cher Ver­hand­lung beschlos­se­nes und gemäß § 104 Abs. 2 FGO zuzu­stel­len­des Urteil, kann maß­ge­ben­der Zeit­punkt auch die form­lo­se Bekannt­ga­be der von den Rich­tern am BFH unter­schrie­be­nen Urteils­for­mel durch die Geschäfts­stel­le an einen der Betei­lig­ten sein 1.

Gehen vor der Wirk­sam­keit eines nach der münd­li­chen Ver­hand­lung (nur) beschlos­se­nen Urteils noch das Ver­fah­ren betref­fen­de Schrift­sät­ze ein, muss der BFH die Fra­ge der Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung prü­fen und sei­ne hier­über getrof­fe­ne Ermes­sens­ent­schei­dung (vgl. § 93 Abs. 3 Satz 2 FGO) sowie die zugrun­de lie­gen­den Erwä­gun­gen in einem geson­der­ten Beschluss oder als Teil des Urteils zum Aus­druck brin­gen; hier­auf haben die Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Wah­rung ihres recht­li­chen Gehörs einen Anspruch 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Mai 2015 – VI R 44/​13

  1. BFH, Beschluss vom 11.12 2006 – IX B 128/​06, BFH/​NV 2007, 738, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2007, 738, m.w.N.[]