Der bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­scheid – und der Erlass aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den

Die in einem sach­li­chen Bil­lig­keits­ver­fah­ren wegen einer bestands­kräf­ti­gen, aber feh­ler­haf­ten Steu­er­fest­set­zung maß­ge­ben­de Fra­ge, ob es dem Steu­er­pflich­ti­gen mög­lich und zumut­bar war, sich gegen die feh­ler­haf­te Steu­er­fest­set­zung zu weh­ren, ist nicht iden­tisch mit der Fra­ge des Ver­schul­dens. Die Ver­schul­dens­zu­rech­nung nach § 110 Abs. 1 Satz 2 AO oder nach § 155 Satz 1 FGO i.V.m. § 85 Abs. 2 ZPO ist daher kein geeig­ne­ter Maß­stab für die Zurech­nung des Ver­hal­tens Drit­ter.

Der bestands­kräf­ti­ge Steu­er­be­scheid – und der Erlass aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den

Tat­säch­lich geht es im Rah­men der Fra­ge, ob es dem Steu­er­pflich­ti­gen mög­lich und zumut­bar war, sich gegen die feh­ler­haf­te Steu­er­fest­set­zung zu weh­ren, nicht um die Fra­ge des Ver­schul­dens. Auch die Fra­ge der Ver­schul­dens­zu­rech­nung, sei es ent­spre­chend § 110 Abs. 1 Satz 2 AO oder im Finanz­pro­zess nach § 155 Satz 1 FGO i.V.m. § 85 Abs. 2 ZPO, stellt sich daher nicht unmit­tel­bar.

Die Kri­te­ri­en „mög­lich und zumut­bar“ stel­len viel­mehr eine eigen­stän­di­ge Kate­go­rie dar. Es bedarf beson­de­rer Umstän­de im kon­kre­ten Ver­hält­nis zur Behör­de.

Man­geln­de Rechts­kennt­nis­se sind sol­che Umstän­de aller­dings nicht, und zwar auch dann nicht, wenn sie unver­schul­det sind [1].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2017 – X B 52/​17

  1. vgl. BFH, Urteil vom 11.08.1987 – VII R 121/​84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512[]