Der über­gan­ge­ne Beweis­an­trag – und das Fern­blei­ben von der münd­li­chen Ver­hand­lung

Der im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gel­ten­de Unter­su­chungs­grund­satz ist eine Ver­fah­rens­vor­schrift, auf deren Ein­hal­tung ein Betei­lig­ter aus­drück­lich oder durch Unter­las­sen einer Rüge ver­zich­ten kann (§ 155 FGO i.V.m. § 295 ZPO). Das Unter­las­sen der recht­zei­ti­gen Rüge hat den end­gül­ti­gen Rüge­ver­lust zur Fol­ge 1.

Der über­gan­ge­ne Beweis­an­trag – und das Fern­blei­ben von der münd­li­chen Ver­hand­lung

Nach der Recht­spre­chung des BFH kann ein fach­kun­dig ver­tre­te­ner Betei­lig­ter das Über­ge­hen eines Beweis­an­tra­ges im Rah­men der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de auch dann nicht mehr mit der Ver­fah­rens­rüge angrei­fen, wenn er trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Ladung unent­schul­digt nicht zur münd­li­chen Ver­hand­lung erscheint 2.

Nach Auf­fas­sung des beschlie­ßen­den Bun­des­fi­nanz­hofs gilt dies unab­hän­gig davon, ob der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der münd­li­chen Ver­hand­lung ohne jeg­li­che Begrün­dung oder ohne eine die Ter­mins­än­de­rung recht­fer­ti­gen­de Begrün­dung fern­bleibt.

Danach haben die Klä­ger im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ihr Rüge­recht ver­lo­ren. Zum einen konn­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te aus der Ladung zur münd­li­chen Ver­hand­lung ohne Vor­lie­gen eines Beweis­be­schlus­ses erse­hen, dass das Finanz­ge­richt nicht beab­sich­tigt, den ange­bo­te­nen Zeu­gen­be­weis zu erhe­ben. Danach hät­ten die Klä­ger die­ses Unter­las­sen recht­zei­tig rügen kön­nen 3. Zum ande­ren sind die Klä­ger ohne eine die Ter­mins­än­de­rung recht­fer­ti­gen­de Begrün­dung nicht zur münd­li­chen Ver­hand­lung erschie­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. April 2015 – III B 42/​14

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 05.06.2013 – III B 47/​12, BFH/​NV 2013, 1438, Rz 3[]
  2. BFH, Beschluss vom 02.03.2005 – VII B 142/​04, BFH/​NV 2005, 1576, unter 3.; Gräber/​Ruban, a.a.O., § 115 Rz 103[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 09.09.2003 – VI B 115/​02, BFH/​NV 2004, 180, m.w.N.[]