Der unge­nau gefass­te Vor­läu­fig­keits­ver­merk

Gemäß § 165 Abs. 1 Satz 1 AO kann die Steu­er vor­läu­fig fest­ge­setzt wer­den, soweit unge­wiss ist, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ihre Ent­ste­hung ein­ge­tre­ten sind. In die­sen Fäl­len hat das Finanz­amt gemäß § 165 Abs. 1 Satz 3 AO den Grund und Umfang der Vor­läu­fig­keit für den Steu­er­pflich­ti­gen aus­rei­chend erkenn­bar anzu­ge­ben. Die Reich­wei­te der Vor­läu­fig­keit muss daher grund­sätz­lich dem Bescheid ent­nom­men wer­den kön­nen, was zwei­fels­frei durch den Wort­laut der Erläu­te­run­gen und durch eine kla­re For­mu­lie­rung erreicht wird.

Der unge­nau gefass­te Vor­läu­fig­keits­ver­merk

Feh­len Erläu­te­run­gen oder ist die For­mu­lie­rung unklar, so kann der Vor­läu­fig­keits­ver­merk den­noch wirk­sam sein, wenn sich der Umfang der Vor­läu­fig­keit im Wege der Aus­le­gung aus Sicht eines objek­ti­ven Emp­fän­gers fest­stel­len lässt. Für die­se Aus­le­gung von Bedeu­tung ist neben dem Inhalt des Steu­er­be­scheids, ob die betrof­fe­ne Steu­er­erklä­rung ein­deu­tig ist. Auch ist zu prü­fen, ob bestehen­de Unklar­hei­ten vom Steu­er­pflich­ti­gen selbst zu ver­ant­wor­ten sind. Zudem kön­nen sons­ti­ge Umstän­de wie Ver­mer­ke und Kor­re­spon­denz her­an­ge­zo­gen wer­den, aus denen der Steu­er­pflich­ti­ge schlie­ßen kann, wel­che Tat­sa­che das Finanz­amt als unsi­cher beur­teilt 1.

Bis zu sei­ner aus­drück­li­chen Auf­he­bung bleibt der Vor­läu­fig­keits­ver­merk wirk­sam. § 165 Abs. 2 Satz 2 AO sieht die aus­drück­li­che Auf­he­bung vor, wenn die Unge­wiss­heit über die Vor­aus­set­zun­gen für die Ent­ste­hung des Steu­er­an­spruchs besei­tigt ist. Die Mög­lich­keit einer still­schwei­gen­den Auf­he­bung des Vor­läu­fig­keits­ver­merks durch eine Ände­rungs­ver­an­la­gung, auch wenn sie auf eine (ande­re) Kor­rek­tur­vor­schrift gestützt ist, ist aus­ge­schlos­sen 2.

Der Vor­läu­fig­keits­ver­merk wird jedoch durch einen in einem Ände­rungs­be­scheid ent­hal­te­nen neu­en Vor­läu­fig­keits­ver­merk von sei­nem Umfang der Vor­läu­fig­keit her neu bestimmt 3. Dies war im Ände­rungs­be­scheid vom 21.07.1999 der Fall, weil die­ser ledig­lich eine Vor­läu­fig­keit hin­sicht­lich der Nicht­ab­zieh­bar­keit von pri­va­ten Schuld­zin­sen (wei­ter­hin) ent­hielt. Die danach ergan­ge­nen und nicht ange­grif­fe­nen und folg­lich bestands­kräf­tig gewor­de­nen Ände­rungs­be­schei­de ent­hal­ten jedoch wie­der­um den (vor­he­ri­gen) Vor­läu­fig­keits­ver­merk, der auf die Grün­de des Bescheids vom 31.08.1998 und damit auf die Lieb­ha­be­rei­pro­ble­ma­tik des Reit­hal­len­be­triebs ver­weist. Auch inso­weit erfolg­te eine erneu­te Ände­rung der vor­läu­fi­gen Steu­er­fest­set­zung gemäß § 165 Abs. 2 AO.

Wie der Steu­er­be­scheid als Ver­wal­tungs­akt nach § 155 Abs. 1 Satz 2 AO selbst wird auch der Vor­läu­fig­keits­ver­merk als Ver­wal­tungs­akt mit dem Inhalt gemäß § 124 Abs. 1 Satz 2 AO wirk­sam, mit dem er bekannt­ge­ge­ben wird 4. Die Klä­ge­rin hat den Bescheid vom 29.01.2001 nicht ange­foch­ten, so dass er ein­schließ­lich des Vor­läu­fig­keits­ver­merks bestands­kräf­tig gewor­den ist. Ein­wen­dun­gen gegen die Recht­mä­ßig­keit des Ver­merks kön­nen nicht mehr im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gegen den end­gül­ti­gen Steu­er­be­scheid nach­ge­holt wer­den 5.

Bun­des­fi­nanz­hof – Urteil vom 21. August 2013 – X R 20/​10

  1. vgl. zum Gan­zen: BFH, Urteil vom 12.07.2007 – X R 22/​05, BFHE 218, 26, BSt­Bl II 2008, 2[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 15.07.1987 – X R 19/​80, BFHE 150, 459, BSt­Bl II 1987, 746, und BFH, Urteil vom 09.09.1988 – III R 191/​84, BFHE 154, 430, BSt­Bl II 1989, 9[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 19.10.1999 – IX R 23/​98, BFHE 190, 44, BSt­Bl II 2000, 282[]
  4. BFH, Urteil vom 27.11.1996 – X R 20/​95, BFHE 183, 348, BSt­Bl II 1997, 791[]
  5. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 23.09.1992 – X R 10/​92, BFHE 169, 331, BSt­Bl II 1993, 338, unter 1.b[]