Der versehentliche Verzicht auf die mündliche Verhandlung

Der Verzicht auf mündliche Verhandlung ist nicht frei widerrufbar.

Der versehentliche Verzicht auf die mündliche Verhandlung

Auf einen Verzicht des beigetretenen Bundesministeriums der Finanzen kommt es nicht an.

So entschied der Bundesfinanzhof im vorliegenden Fall durch Urteil ohne mündliche Verhandlung (§ 90 Abs. 2 i.V.m. § 121 FGO): Der Kläger hat auf eine mündliche Verhandlung verzichtet. Diesen Verzicht hat auch das Finanzamt erklärt.

Dass das Finanzamt im Nachgang zu seinem Verzicht diesen widerrufen hat, da der Verzicht “versehentlich” erklärt worden sei, ist ohne Bedeutung, da der Verzicht als Prozesshandlung weder wegen Irrtums anfechtbar noch frei widerrufbar ist1.

Zudem können aufgrund der prozessgestaltenden Wirkung wie auch im Interesse einer eindeutigen und klaren prozessrechtlichen Lage offenbare, insbesondere auf einem Verschreiben oder sonstigem Versehen beruhende Irrtümer nur richtiggestellt werden, wenn sie -woran es vorliegend fehlt- dem Empfänger der Erklärung bekannt oder zumindest erkennbar waren2.

Unbeachtlich ist dabei für den Bundesfinanzhof, dass das beigeladene Bundesministerium der Finanzen (BMF) keinen Verzicht auf mündliche Verhandlung erklärt hat, da ihm keine weitergehenden Rechte als den Verfahrensbeteiligten zustehen3.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 10. Januar 2019 – V R 60/17

  1. vgl. BFH, Urteile vom 20.06.1967 – II 73/63, BFHE 90, 82, BStBl III 1967, 794; vom 26.11.1970 – IV R 131/69, BFHE 101, 61, BStBl II 1971, 241; vom 04.04.1974 – V R 161/72, BFHE 112, 316, BStBl II 1974, 532; BFH, Beschlüsse vom 07.02.1990 – III R 101/87, BFH/NV 1991, 402; und vom 20.06.2016 – VI B 115/15, BFH/NV 2016, 1482 []
  2. BFH, Urteil vom 08.04.2014 – I R 51/12, BFHE 246, 7, BStBl II 2014, 982 []
  3. BFH, Urteil vom 11.11.2010 – VI R 17/09, BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969 []