Der vom vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter ver­hin­der­te Last­schrift­ein­zug

Der Wider­ruf des Steu­er­ein­zugs durch Last­schrift­ver­fah­ren recht­fer­tigt kei­ne steu­er­li­che Haf­tungs­inan­spruch­nah­me eines vor­läu­fi­gen "schwa­chen" Insol­venz­ver­wal­ters.

Der vom vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ter ver­hin­der­te Last­schrift­ein­zug

In einem vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fall wur­de der Klä­ger zunächst zum vor­läu­fi­gen "schwa­chen" Insol­venz­ver­wal­ter einer not­lei­den­den GmbH bestellt, d.h. Ver­fü­gun­gen der GmbH bedurf­ten sei­ner Zustim­mung. Die Lohn­steu­er­for­de­rung für die zuvor noch von der GmbH ein­ge­reich­te Steu­er­an­mel­dung für Novem­ber 2002 konn­te vom Finanz­amt nicht mehr – wie zuvor üblich – im Last­schrift­ver­fah­ren ein­ge­zo­gen wer­den, da der Klä­ger die Kon­ten – trotz Deckung – für sämt­li­che Last­schrif­ten sper­ren ließ. Nach­dem der Klä­ger Anfang des Jah­res 2003 zum vor­läu­fi­gen "star­ken" Insol­venz­ver­wal­ter – mit Ver­wal­tungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis – bestellt wor­den war, mel­de­te er für die Anfang Dezem­ber 2002 noch von der GmbH aus­ge­zahl­ten Löh­ne und Gehäl­ter beim Finanz­amt Lohn­steu­er an – aller­dings ohne sie zu beglei­chen. Das Finanz­amt nahm den Klä­ger nach § 69 AO in Haf­tung.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter gab jedoch der Kla­ge des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters statt und hob die Haf­tungs­be­schei­de auf: Soweit dem Klä­ger zum Vor­wurf gemacht wer­de, den Last­schrif­ten­ein­zug durch Kon­ten­sper­rung ver­hin­dert zu haben, feh­le es bereits an einem per­sön­li­chen Anknüp­fungs­punkt für eine Haf­tung. Als zunächst vor­läu­fi­ger "schwa­cher" Insol­venz­ver­wal­ter sei er weder gesetz­li­cher Ver­tre­ter noch Ver­mö­gens­ver­wal­ter der GmbH gewe­sen (§ 34 Abs. 1 und 3 AO). Auch sei die Ver­fü­gungs­be­rech­ti­gung im Sin­ne von § 35 AO noch bei der Geschäfts­füh­rung der insol­ven­ten GmbH ver­blie­ben. Mit sei­ner Bestel­lung zum vor­läu­fi­gen "star­ken" Insol­venz­ver­wal­ter sei der Klä­ger zwar Ver­mö­gens­ver­wal­ter gemäß § 34 Abs. 3 AO gewor­den. Trotz Nicht­zah­lung der fäl­li­gen Steu­ern habe er aller­dings nicht sei­ne Pflich­ten im Sin­ne des § 69 AO ver­letzt. Die Steu­er­rück­stän­de sei­en Insol­venz­for­de­run­gen (§ 38 InsO), die nicht gegen­über dem Fis­kus vor­ab hät­ten begli­chen wer­den dür­fen.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 1. Juli 2010 – 3 K 3206/​06 L

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546[]