Der wäh­rend des anhän­gi­gen Finanz­ge­richts­ver­fah­rens geän­der­te Steu­er­be­scheid

§ 68 FGO (hier: in der Fas­sung des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung der Finanz­ge­richts­ord­nung und ande­rer Geset­ze vom 19.12 2000, BGBl I 2000, 1757) soll dem Recht­su­chen­den umfas­sen­den Rechts­schutz sichern. Der Steu­er­pflich­ti­ge soll nicht durch den Erlass eines ändern­den oder erset­zen­den Bescheids aus dem Ver­fah­ren gedrängt wer­den 1.

Der wäh­rend des anhän­gi­gen Finanz­ge­richts­ver­fah­rens geän­der­te Steu­er­be­scheid

Die Vor­schrift dient dar­über hin­aus der Pro­zess­öko­no­mie und der Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chung. Sie soll den Betei­lig­ten wei­te­re ‑außer­ge­richt­li­che und gericht­li­che- Rechts­mit­tel­ver­fah­ren gegen Ände­rungs­be­schei­de erspa­ren, indem der mit dem ändern­den oder erset­zen­den Bescheid ver­bun­de­ne Ver­fah­rens­ge­gen­stand in den bereits anhän­gi­gen Rechts­streit auf­ge­nom­men wird. Der Klä­ger wird nicht auf ein neu­es Ver­fah­ren ver­wie­sen, da sei­nem Kla­ge­in­ter­es­se ggf. auch im anhän­gi­gen Ver­fah­ren ent­spro­chen wer­den kann 2.

Durch die von dem Finanz­amt ver­an­lass­te Kor­rek­tur des ange­foch­te­nen Bescheids und des­sen Ein­be­zie­hung in das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren soll der Klä­ger aber ins­be­son­de­re ver­fah­rens­recht­lich nicht schlech­ter gestellt wer­den als zuvor. Dies wäre indes zu besor­gen, wenn in dem Urteil nur die Kas­sa­ti­on des Ände­rungs­be­scheids aus­ge­spro­chen wür­de. Durch die Auf­he­bung nur des Ände­rungs­be­scheids wür­de dem Anfech­tungs­be­geh­ren der Klä­ge­rin, wel­ches von vorn­her­ein auf die ersatz­lo­se Auf­he­bung des fest­ge­setz­ten Ver­zö­ge­rungs­gelds gerich­tet war, nicht aus­rei­chend Rech­nung getra­gen. Die Auf­he­bung nur des Ände­rungs­be­scheids hat näm­lich zur Fol­ge, dass der ursprüng­li­che Bescheid wie­der in Kraft tritt. Der Ände­rungs­be­scheid hat zwar den ursprüng­li­chen Bescheid in sei­nen Rege­lungs­ge­halt auf­ge­nom­men 3. Solan­ge der Ände­rungs­be­scheid Bestand hat, ent­fal­tet der ursprüng­li­che Bescheid kei­ne Wir­kung, er bleibt für die Dau­er des Bestehens des Ände­rungs­be­scheids sus­pen­diert. Der ursprüng­li­che Bescheid tritt aber wie­der in Kraft, wenn der Ände­rungs­be­scheid auf­ge­ho­ben wird 4.

Eine Auf­he­bung des ursprüng­li­chen Bescheids kommt indes nur dann in Betracht, wenn die­ser sei­ner­seits rechts­wid­rig ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Juni 2014 – IV R 17/​14

  1. BFH, Urteil vom 29.01.2003 – XI R 84/​00, BFH/​NV 2003, 1330, zu § 68 Satz 3 FGO a.F.[]
  2. Schall­mo­ser in HHSp, § 68 FGO Rz 8 ff.[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 25.10.1972 – GrS 1/​72, BFHE 108, 1, BSt­Bl II 1973, 231[]
  4. vgl. BFH, Beschluss in BFHE 108, 1, BSt­Bl II 1973, 231[]