Die abge­lehn­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe – Anhö­rungs­rü­ge und Wie­der­ein­set­zungs­frist

Eine gegen den ableh­nen­den PKH, Beschluss gerich­te­te Anhö­rungs­rü­ge ist für den Ablauf der Frist zur Stel­lung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags ohne Ein­fluss, wenn der Klä­ger die Kla­ge­er­he­bung zurück­stellt, ohne dass die Anhö­rungs­rü­ge kon­kre­te Aus­sicht auf Erfolg hat.

Die abge­lehn­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe – Anhö­rungs­rü­ge und Wie­der­ein­set­zungs­frist

Nach § 142 Abs. 1 FGO i.V.m. §§ 114 ff. ZPO erhält ein Betei­lig­ter, der nach sei­nen per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten auf­brin­gen kann, auf Antrag PKH, wenn die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­tet und nicht mut­wil­lig erscheint. Die Rechts­ver­fol­gung ver­spricht hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg, wenn für des­sen Ein­tritt bei sum­ma­ri­scher Prü­fung eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit besteht 1.

Wird PKH für die Durch­füh­rung eines Rechts­mit­tel­ver­fah­rens bean­tragt und wird ‑wie hier- nicht zugleich inner­halb der Rechts­mit­tel­frist durch eine vor dem Bun­des­fi­nanz­hof pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­ge Per­son oder Gesell­schaft (vgl. § 62 Abs. 4 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 FGO) Beschwer­de wegen Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ein­ge­legt, kann die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung nur dann Aus­sicht auf Erfolg haben, wenn damit zu rech­nen ist, dass dem Antrag­stel­ler wegen unver­schul­de­ter Ver­säu­mung der Rechts­mit­tel­frist Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand (§ 56 Abs. 1 FGO) zu gewäh­ren ist. Das ist nur dann der Fall, wenn der Antrag­stel­ler inner­halb der Rechts­mit­tel­frist alle erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine posi­ti­ve Ent­schei­dung über sei­nen Antrag schafft. Ins­be­son­de­re muss er das Streit­ver­hält­nis unter Anga­be der Beweis­mit­tel ‑in zumin­dest lai­en­haf­ter Wei­se- dar­stel­len und dar­le­gen, dass die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen gemäß § 115 FGO gege­ben sein könn­ten (§ 142 Abs. 1 FGO i.V.m. § 117 Abs. 1 Satz 2 ZPO) 2.

Eine gegen den ableh­nen­den PKH, Beschluss gerich­te­te Anhö­rungs­rü­ge ist für den Ablauf der Frist zur Stel­lung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags ohne Ein­fluss, wenn der Klä­ger die Kla­ge­er­he­bung zurück­stellt, ohne dass die Anhö­rungs­rü­ge kon­kre­te Aus­sicht auf Erfolg hat.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zu der frü­he­ren Rechts­la­ge die ver­gleich­ba­re Rechts­fra­ge, ob die Gegen­vor­stel­lung gegen die Ableh­nung des Armen­rechts­ge­suchs den Frist­be­ginn für die Stel­lung des Wie­der­ein­set­zungs­an­trags hin­aus­schiebt, ver­neint 3. Die­ser Auf­fas­sung wird in der Kom­men­tar­li­te­ra­tur auch für das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren gefolgt 4.

Zudem hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den, dass die Wie­der­ein­set­zungs­frist auch durch von vorn­her­ein aus­sichts­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den und Gesu­che an die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on für Men­schen­rech­te gegen den ableh­nen­den PKH, Beschluss nicht hin­aus­ge­scho­ben wird 5.

Durch die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist bereits geklärt, dass das Hin­der­nis für die Ein­hal­tung der Kla­ge­frist weg­fällt, sobald der Klä­ger oder sein Bevoll­mäch­tig­ter erkannt hat oder bei Anwen­dung der gebo­te­nen Sorg­falt hät­te erken­nen kön­nen und müs­sen, dass die Frist ver­säumt ist 6. Daher bedarf es nicht der posi­ti­ven Kennt­nis vom Weg­fall des Hin­der­nis­ses. Viel­mehr genügt es, wenn bei Anwen­dung der gebo­te­nen Sorg­falt Kennt­nis von der Frist­ver­säum­nis bestan­den hät­te. Zudem gilt die­se Ver­schul­dens­ab­hän­gig­keit des "Weg­falls des Hin­der­nis­ses" i.S. des § 56 Abs. 2 Satz 1 FGO unab­hän­gig davon, ob der Klä­ger ver­tre­ten ist oder nicht.

Über­tra­gen auf den hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall bedeu­tet dies, dass sich der Antrag­stel­ler ‑auch bei den an ihn als Lai­en gestell­ten Sorg­falts­an­for­de­run­gen- nicht ein­fach dar­auf ver­las­sen durf­te, dass sei­ne weder durch die in der Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­hal­te­ne Rechts­be­helfs­be­leh­rung noch erkenn­bar ander­wei­tig gestütz­te Rechts­mei­nung, wonach der Beginn der Wie­der­ein­set­zungs­frist durch die Erhe­bung der Anhö­rungs­rü­ge hin­aus­ge­scho­ben wird, zutrifft. Viel­mehr hät­te er sich nach Ableh­nung sei­nes PKH-Antrags inso­weit erkun­di­gen und im Zwei­fel selbst Kla­ge erhe­ben müs­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Janu­ar 2016 – III S 30/​15 (PKH)

  1. BFH, Beschluss vom 17.03.2008 – II S 24/​07 (PKH), BFH/​NV 2008, 1176, unter II. 1.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 24.11.2009 – II S 21/​09 (PKH), BFH/​NV 2010, 455; und vom 15.04.2014 – V S 5/​14 (PKH), BFH/​NV 2014, 1381[]
  3. BGH, Beschluss vom 26.09.1979 – IV ZB 52/​79, HFR 1980, 393; bestä­tigt durch BGH, Beschlüs­se vom 20.06.2006 – VI ZR 255/​05, Ver­si­che­rungs­recht 2007, 132; und vom 20.04.2009 – XI ZA 11/​08[]
  4. Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 56 FGO Rz 482; Gräber/​Stapperfend Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 56 Rz 20 Stich­wort "Pro­zess­kos­ten­hil­fe"[]
  5. BFH, Beschluss vom 27.11.1991 – III B 566/​90, BFH/​NV 1992, 686[]
  6. BFH, Urtei­le vom 01.10.1992 – IV R 34/​90, BFHE 169, 503, BSt­Bl II 1993, 259; vom 18.02.2004 – I R 45/​03, BFH/​NV 2004, 1108[]