Die (angeb­lich) auf dem Post­weg ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Sendung

Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs geklärt, dass der Vor­trag, der Bevoll­mäch­tig­te habe ein Ein­spruchs­schrei­ben an einem bestimm­ten Tag zu einer bestimm­ten Uhr­zeit selbst in einen bestimm­ten Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen, nicht allein durch des­sen eides­statt­li­che Ver­si­che­rung glaub­haft gemacht sein kann, son­dern vom Finanz­amt zur Glaub­haft­ma­chung zusätz­li­che objek­ti­ve Beweis­mit­tel ver­langt wer­den können.

Die (angeb­lich) auf dem Post­weg ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Sendung

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs genügt allein eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung des Bevoll­mäch­tig­ten für die Glaub­haft­ma­chung nicht, wenn der Bevoll­mäch­tig­te ‑wie hier- vor­trägt, das fris­t­wah­ren­de Schrift­stück selbst ein­ge­wor­fen zu haben. Viel­mehr kann es erfor­der­lich sein, dass zu der Erklä­rung objek­ti­ve Beweis­mit­tel ‑vor allem die Ein­tra­gung der Frist im Fris­ten­kon­troll­buch und deren Löschung auf­grund der Ein­tra­gung im Post­aus­gangs­buch- hin­zu­tre­ten müs­sen1. Glei­ches gilt für die anwalt­li­che Ver­si­che­rung, die Sen­dung selbst ein­ge­wor­fen zu haben2. Danach hät­te der Klä­ger dar­le­gen müs­sen, auf­grund wel­cher neu­en Gesichts­punk­te eine erneu­te höchst­rich­ter­li­che Klä­rung der auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­ge ver­an­lasst ist. Eine sol­che Begrün­dung fehl­te im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch.

Auch der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs3, die erfor­der­li­chen Anga­ben zum Post­ein­wurf der angeb­lich auf dem Post­weg ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Sen­dung durch den Bevoll­mäch­tig­ten (oder Drit­te) sei­en anhand geeig­ne­ter (prä­sen­ter) Beweis­mit­tel wie z.B. einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung, eines Post­aus­gangs­buchs und eines Fris­ten­kon­troll­buchs glaub­haft zu machen, ist nicht die abs­trak­te Aus­sa­ge zu ent­neh­men, die­se Anga­ben könn­ten beim Ein­wurf durch den Bevoll­mäch­tig­ten stets allein mit­tels des­sen eides­statt­li­cher Ver­si­che­rung glaub­haft gemacht wer­den, ohne dass wei­te­re prä­sen­te Beweis­mit­tel ver­langt wer­den könnten.

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Glei­ches gilt für den BFH, Beschluss in BFH/​NV 2000, 546, in dem der Bun­des­fi­nanz­hof sogar aus­drück­lich for­mu­liert, „die in der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung auf­ge­stell­te Behaup­tung, ein Ein­spruchs­schrei­ben […] sei an die­sem Tage durch den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten per­sön­lich in den Brief­kas­ten gewor­fen wor­den, ist nicht näher belegt wor­den“. Aus dem Beschluss geht damit deut­lich her­vor, dass die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, die auf dem Post­weg ver­meint­lich ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Sen­dung selbst ein­ge­wor­fen zu haben, den Anfor­de­run­gen an die Glaub­haft­ma­chung allein nicht genü­gen muss. Auch aus der Pas­sa­ge die­ses Beschlus­ses, der zusätz­li­che Nach­weis der Auf­ga­be zur Post durch Anga­ben in einem Post­aus­gangs­buch kön­ne ent­behr­lich sein, folgt nichts ande­res. Denn in die­ser Pas­sa­ge des Beschlus­ses geht es allein dar­um, dass feh­len­de Anga­ben in einem Post­aus­gangs­buch den glaub­haft gemach­ten recht­zei­ti­gen Ein­wurf der Sen­dung nicht in Fra­ge stel­len, wenn fest­steht, dass der Brief vom Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ein­ge­wor­fen wur­de und ‑nach­weis­lich- anschlie­ßend auf dem Post­weg verlorengeht.

Auch das Finanz­ge­richt Müns­ter hat die Vor­la­ge einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, ein fris­t­wah­ren­des Schrei­ben selbst ein­ge­wor­fen zu haben, nur zusam­men mit ande­ren vor­ge­leg­ten Unter­la­gen als Glaub­haft­ma­chung der unver­schul­de­ten Frist­ver­säu­mung ange­se­hen4. Indem es eine unver­schul­de­te Säum­nis im dor­ti­gen Streit­fall als glaub­haft gemacht ange­se­hen hat, hat es weder aus­drück­lich noch in fall­be­zo­ge­nen Aus­füh­run­gen den tra­gen­den Rechts­satz auf­ge­stellt, allein die Vor­la­ge der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung des Bevoll­mäch­tig­ten genü­ge für die Glaub­haft­ma­chung des Sach­ver­halts, eine Post­sen­dung an einem bestimm­ten Tag zu einem bestimm­ten Zeit­punkt in einen bestimm­ten Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen zu haben.

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Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. Mai 2021 – VIII B 121/​20

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 03.08.2005 – IX B 26/​05, BFH/​NV 2006, 307, unter a [Rz 7], m.w.N.; BFH, Urteil vom 31.01.2017 – IX R 19/​16, BFH/​NV 2017, 885, Rz 22[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 04.11.1999 – X B 81/​99, BFH/​NV 2000, 546, unter 3.a; vom 25.04.1995 – VIII R 86/​94, BFH/​NV 1995, 1002 [Rz 8]; vom 25.05.2011 – VIII R 25/​09, BFH/​NV 2011, 1389, Rz 8[]
  3. BFH, Beschlüs­se vom 15.05.2019 – XI R 14/​17, BFH/​NV 2019, 924, Rz. 13; vom 28.02.1985 – VIII R 261/​84, BFH/​NV 1986, 30, unter 2.; und vom 13.07.1989 – VIII R 64/​88, BFH/​NV 1990, 577, Rz 8[]
  4. FG Müns­ter, Urteil vom 16.09.2020 – 13 K 94/​18 E, EFG 2020, 1839, Rz 31, 36[]

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