Die Auf­trags­prü­fung und die Son­der­zu­stän­dig­keit des beauf­tra­gen­den Finanz­amts

Eine Auf­trags­prü­fung ist auch im Fal­le einer Son­der­zu­stän­dig­keit des beauf­tra­gen­den Finanz­amts zuläs­sig.

Die Auf­trags­prü­fung und die Son­der­zu­stän­dig­keit des beauf­tra­gen­den Finanz­amts

Außen­prü­fun­gen wer­den von den für die Besteue­rung zustän­di­gen Finanz­be­hör­den durch­ge­führt (§ 195 Satz 1 AO). Sie kön­nen ande­re Finanz­be­hör­den mit der Außen­prü­fung beauf­tra­gen (§ 195 Satz 2 AO).

§ 195 Satz 2 AO ermög­licht die Beauf­tra­gung eines ande­ren Finanz­amts mit der Außen­prü­fung auch im Fal­le einer sach­li­chen Son­der­zu­stän­dig­keit des beauf­tra­gen­den Finanz­amts [1]. Gemäß § 16 AO rich­tet sich die sach­li­che Zustän­dig­keit der Finanz­be­hör­den, soweit nichts ande­res bestimmt ist, nach dem Gesetz über die Finanz­ver­wal­tung (FVG). Soweit es sich um Auf­ga­ben der Finanz­ver­wal­tung han­delt und der Voll­zug der Auf­ga­ben ver­bes­sert oder erleich­tert wird, kann die zustän­di­ge Lan­des­re­gie­rung nach § 17 Abs. 2 Satz 3 FVG durch Rechts­ver­ord­nung einem Finanz­amt Zustän­dig­kei­ten für die Bezir­ke meh­re­rer Finanz­äm­ter, etwa eine sach­li­che Son­der­zu­stän­dig­keit für ein­zel­ne Steu­er­ar­ten, über­tra­gen [2]. Hat ein Bun­des­land hier­von Gebrauch gemacht, folgt dar­aus jedoch nicht, dass das mit der sach­li­chen Son­der­zu­stän­dig­keit betrau­te Finanz­amt im Ein­zel­fall nicht mehr ein ande­res Finanz­amt mit der Durch­füh­rung einer Außen­prü­fung im Bereich sei­ner Son­der­zu­stän­dig­keit beauf­tra­gen darf. Denn § 195 Satz 2 AO stellt inso­weit eine ande­re Bestim­mung i.S. von § 16 AO dar, die im glei­chen Rang wie § 17 Abs. 2 Satz 3 FVG i.V.m. der jewei­li­gen lan­des-recht­li­chen Rechts­ver­ord­nung steht und von die­ser Vor­schrift nicht berührt wird.

Auch Sinn und Zweck des Geset­zes spre­chen dafür, dass ein mit sach­li­cher Son­der­zu­stän­dig­keit aus­ge­stat­te­tes Finanz­amt im Ein­zel­fall ein ande­res Finanz­amt mit der Durch­füh­rung der Außen­prü­fung beauf­tra­gen kann. Die Son­der­zu­wei­sung der sach­li­chen Zustän­dig­keit für eine bestimm­te Steu­er­art auf ein Finanz­amt bezweckt die Stei­ge­rung der Effi­zi­enz durch die Zusam­men­fas­sung von Sach­kennt­nis­sen und Mit­teln und einen gerin­ge­ren Kos­ten­auf­wand [3]. Die­sen Gesichts­punk­ten wird auch dann Rech­nung getra­gen, wenn im Ein­zel­fall eine Auf­trags­prü­fung durch ein sach­lich nicht zustän­di­ges Finanz­amt statt­fin­det. Denn durch einen Prü­fungs­auf­trag nach § 195 Satz 2 AO wird die Prü­fungs­zu­stän­dig­keit des an sich sach­lich zur Prü­fung beru­fe­nen Finanz­amts nicht ver­la­gert. Die­ses nimmt sei­ne Zustän­dig­keit ledig­lich für eine bestimm­te Prü­fung nicht in Anspruch. Fol­ge hier­von ist, dass bei einem Prü­fungs­auf­trag nach § 195 Satz 2 AO dem beauf­trag­ten Finanz­amt nicht die Ent­schei­dung dar­über über­las­sen wer­den kann, ob und in wel­chem Umfang die Außen­prü­fung durch­ge­führt wird. Viel­mehr müs­sen in der Beauf­tra­gung der zu prü­fen­de Steu­er­pflich­ti­ge und der zeit­li­che und sach­li­che Umfang der Prü­fung fest­ge­legt wer­den. Das tätig wer­den­de Finanz­amt ist hier­an gebun­den [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2012 – II B 108/​11

  1. Gosch in Beermann/​Gosch, AO § 195 Rz 39; Klein/​Rüsken, AO, 11. Aufl., § 195 Rz 11; Schall­mo­ser in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 195 AO Rz 22; Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 195 AO Rz 7[]
  2. Seer, a.a.O., § 17 FVG, Rz 5[]
  3. Seer, a.a.O., § 17 FVG Rz 5[]
  4. BFH, Urteil vom 10.12.1987 – IV R 77/​86, BFHE 152, 24, BStBl II 1988, 322[]