Die Bank, das Finanz­amt und der Kos­ten­er­satz

Wenn ein Steu­er­pflich­ti­ger bei der Ermitt­lung sei­ner wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nicht aus­rei­chend mit­wirkt, kön­nen Finanz­äm­ter und Steu­er­fahn­dungs­stel­len auch bei sei­ner Bank bzw. Spar­kas­se Aus­künf­te ein­ho­len und Unter­la­gen, z.B. Kon­to­aus­zü­ge, Depot­aus­zü­ge, Dar­le­hens­ver­trä­ge etc. anfor­dern. Der dabei anfal­len­de Ver­wal­tungs­auf­wand ist den Kre­dit­in­sti­tu­ten von den Finanz­be­hör­den aller­dings nur dann zu ver­gü­ten, wenn sie zur Ertei­lung von Aus­künf­ten her­an­ge­zo­gen wur­den. Für die blo­ße Vor­la­ge von Unter­la­gen ist ein Kos­ten­er­satz gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen. Die Abgren­zung von Aus­kunfts- und Vor­la­ge­er­su­chen ist daher für die betrof­fe­nen Kre­dit­in­sti­tu­te von gro­ßer Bedeu­tung.

Die Bank, das Finanz­amt und der Kos­ten­er­satz

Mit die­ser Pro­ble­ma­tik hat­te sich nun auch der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) zu befas­sen, der bei die­ser Gele­gen­heit den Kreis der Ersu­chen, für die Kos­ten­er­satz zu gewäh­ren ist, deut­lich erwei­tert hat (Urteil vom 8. August 2006 VII R 29/​05).

Im Streit­fall hat­te das Finanz­amt (FA) im Besteue­rungs­ver­fah­ren eines Ehe­paars eine Spar­kas­se auf­ge­for­dert, Kopi­en der Kon­to- und Depot­aus­zü­ge aller Spar­kon­ten und Wert­pa­pier­de­pots vor­zu­le­gen, die das Ehe­paar bei der Spar­kas­se unter­hielt. Wäh­rend das FA der Mei­nung war, dass es die Spar­kas­se allein um die – kos­ten­freie – Vor­la­ge von Unter­la­gen ersucht hat­te, hielt die Spar­kas­se das Ver­lan­gen des FA für ein kom­bi­nier­tes Aus­kunfts- und Vor­la­ge­er­su­chen und ver­lang­te Kos­ten­er­stat­tung.

Der BFH gab der Spar­kas­se Recht. Ein (rei­nes) Vor­la­ge­er­su­chen ohne Kos­ten­er­satz­an­spruch ist danach nur dann anzu­neh­men, wenn das FA die vor­zu­le­gen­den Unter­la­gen so kon­kret und ein­deu­tig benennt, dass das Kre­dit­in­sti­tut sie nur noch her­aus­su­chen und gege­be­nen­falls les­bar machen muss. Das setzt kon­kret die Anga­be der Kon­to- oder Depot­num­mer bzw. ver­gleich­ba­re Anga­ben vor­aus. Muss dage­gen erst noch ermit­telt wer­den, ob über­haupt eine Bank­ver­bin­dung besteht oder ob neben einem benann­ten Kon­to noch wei­te­re Geschäfts­be­zie­hun­gen geführt wer­den oder muss nach­ge­schaut wer­den, ob Ver­trä­ge oder ande­re inter­es­sie­ren­de Unter­la­gen vor­han­den sind, so ver­langt das FA mehr als eine bloß mecha­ni­sche Hilfs­tä­tig­keit. Bei einem sol­chen Ersu­chen han­delt es sich nach Auf­fas­sung des höchs­ten deut­schen Steu­er­ge­richts viel­mehr um ein typi­sches kom­bi­nier­tes Aus­kunfts- und Vor­la­ge­ver­lan­gen, das nach der Abga­ben­ord­nung einen Anspruch auf Kos­ten­er­satz gibt.

Ein (rei­nes) Vor­la­ge­ver­lan­gen i.S. des § 97 AO 1977 liegt nur dann vor, wenn das FA die vor­zu­le­gen­den Unter­la­gen so kon­kret und ein­deu­tig benennt, dass sich die gefor­der­te Tätig­keit des Vor­la­ge­ver­pflich­te­ten auf rein mecha­ni­sche Hilfs­tä­tig­kei­ten wie das Her­aus­su­chen und Les­bar­ma­chen der ange­for­der­ten Unter­la­gen beschränkt. Das setzt bei der Anfor­de­rung von Bank­un­ter­la­gen vor­aus, dass das FA die Kon­ten- und Depot­num­mern benennt oder ver­gleich­bar kon­kre­te Anga­ben zu sons­ti­gen Bank­ver­bin­dun­gen macht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. August 2006 – VII R 29/​05