Die von Drit­ten ein­ge­hol­ten Aus­künf­te des Betriebs­prü­fers – und das Ver­wer­tungs­ver­bot

Nach § 93 Abs. 1 Satz 3 AO sol­len ande­re Per­so­nen als die Betei­lig­ten erst dann zur Aus­kunft ange­hal­ten wer­den, wenn die Sach­ver­halts­auf­klä­rung durch die Betei­lig­ten nicht zum Ziel führt oder kei­nen Erfolg ver­spricht.

Die von Drit­ten ein­ge­hol­ten Aus­künf­te des Betriebs­prü­fers – und das Ver­wer­tungs­ver­bot

Durch die Aus­ge­stal­tung der Norm als Soll­vor­schrift kommt inso­weit zum Aus­druck, dass die Behör­de in der Regel nach ihr ver­fah­ren muss 1.

Des­halb darf sie auch nur in aty­pi­schen Fäl­len hier­von abwei­chen, wobei am Zweck der Vor­schrift zu mes­sen ist, ob ein sol­cher aty­pi­scher Fall vor­liegt 2. Hier­durch wird dem dop­pel­ten Zweck des § 93 Abs. 1 Satz 3 AO ent­spro­chen, wonach zum einen ver­mie­den wer­den soll, dass Nicht­be­tei­lig­te Ein­blick in die steu­er­lich rele­van­ten Ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten erhal­ten, zum ande­ren dem Drit­ten die mit der Aus­kunft ver­bun­de­nen Mühen erspart wer­den sol­len 3.

Ein all­ge­mei­nes gesetz­li­ches Ver­wer­tungs­ver­bot für Tat­sa­chen, die unter Ver­let­zung von Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ermit­telt wur­den, besteht im Besteue­rungs­ver­fah­ren aller­dings nicht 4.

Auch ergibt sich ein sol­ches nicht auf­grund einer Ver­let­zung der steu­er­recht­li­chen Pflich­ten bei der Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung 5. Ein Ver­wer­tungs­ver­bot für Prü­fungs­fest­stel­lun­gen setzt zudem nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH vor­aus, dass die Rechts­wid­rig­keit der Prü­fung im Wege der Anfech­tung der Prü­fungs­an­ord­nung fest­ge­stellt wor­den ist 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2017 – I R 70/​15

  1. BFH, Urteil vom 30.03.1989 – VII R 89/​88, BFHE 156, 88, BSt­Bl II 1989, 537[]
  2. BFH, Urtei­le vom 24.10.1989 – VII R 1/​87, BFHE 158, 502, BSt­Bl II 1990, 198; vom 29.07.2015 – X R 4/​14, BFHE 251, 112, BSt­Bl II 2016, 135[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 251, 112, BSt­Bl II 2016, 135[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 25.11.1997 – VIII R 4/​94, BFHE 184, 255, BSt­Bl II 1998, 461; vom 31.10.1990 – II R 180/​87, BFHE 163, 103, BSt­Bl II 1991, 204; BFH, Urteil vom 27.07.1983 – I R 210/​79, BFHE 139, 221, BSt­Bl II 1984, 285, m.w.N.; vgl. auch BFH, Beschluss vom 29.06.1999 – VII B 303/​98, BFH/​NV 1999, 1585[]
  5. BFH, Urteil vom 23.01.2002 – XI R 10, 11/​01, BFHE 198, 7, BSt­Bl II 2002, 328[]
  6. z.B. BFH, Urteil vom 21.04.1993 – X R 112/​91, BFHE 171, 15, BSt­Bl II 1993, 649, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 28.06.2007 – V B 174/​05, BFH/​NV 2007, 1807[]