Die Erkran­kung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten – und die Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen an den Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag

Zwar ist ein Gericht zur Wah­rung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (§ 96 Abs. 2 FGO) grund­sätz­lich ver­pflich­tet, einen Ver­hand­lungs­ter­min zu ver­le­gen, wenn hier­für erheb­li­che Grün­de i.S. des § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO i.V.m. § 155 Satz 1 FGO vor­lie­gen. Auch kann ein sol­cher Grund dann anzu­neh­men sein, wenn ein Betei­lig­ter oder sein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter uner­war­tet erkrankt ist 1.

Die Erkran­kung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten – und die Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen an den Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag

Jedoch muss sich das Gericht anhand der ihm bekann­ten Umstän­de ein eige­nes Urteil dar­über bil­den kön­nen, ob im Ein­zel­fall eine Ter­mins­ver­le­gung gebo­ten ist. Die Vor­aus­set­zun­gen hier­für zu schaf­fen ist Auf­ga­be des­je­ni­gen, der die Ver­le­gung bean­tragt 2.

Des­halb hat der Antrag­stel­ler dem Gericht regel­mä­ßig von sich aus nähe­re Anga­ben zu Art und Schwe­re der Krank­heit zu machen und die Anga­ben glaub­haft zu machen, wenn er erst kurz vor der münd­li­chen Ver­hand­lung den Antrag auf Auf­he­bung oder Ver­le­gung eines Ter­mins mit einer plötz­li­chen Erkran­kung begrün­det 3.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de im Streit­fall auch nach dem Beschwer­de­vor­trag bereits im Hin­blick auf die feh­len­de Spe­zi­fi­zie­rung der gel­tend gemach­ten Erkran­kung nicht genügt. Dem­ge­mäß erüb­ri­gen sich auch wei­te­re Aus­füh­run­gen zu der von der Beschwer­de­schrift auf­ge­wor­fe­nen Fra­ge, ob ‑was nach den vor­ste­hen­den Erläu­te­run­gen aller­dings zu beja­hen ist- die Klä­ge­rin (Antrag­stel­le­rin) im Streit­fall auch ohne Auf­for­de­rung des Gerichts gehal­ten gewe­sen wäre, die sub­stan­ti­iert dar­ge­leg­ten Grün­de der Erkran­kung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten z.B. durch Vor­la­ge eines aus­sa­ge­kräf­ti­gen ärzt­li­chen Attests glaub­haft zu machen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Novem­ber 2013 – I B 2/​13

  1. BFH, Beschluss vom 29.05.2012 – IV B 51/​11, BFH/​NV 2012, 1469[]
  2. BFH, Beschluss vom 28.08.2002 – V B 71/​01, BFH/​NV 2003, 178[]
  3. BFH, Beschluss vom 05.09.2012 – II B 61/​12, BFH/​NV 2012, 1995[]