Die Hin­weis­pflicht des Finanz­ge­richts

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­pflich­tet § 76 Abs. 2 FGO das Finanz­ge­richt nicht, die Betei­lig­ten zu einer Sub­stan­ti­ie­rung ihres Sach­vor­trags zu ver­an­las­sen, wenn die recht­li­che Bedeu­tung der vor­zu­tra­gen­den Tat­sa­chen für den Aus­gang des Kla­ge­ver­fah­rens auf der Hand liegt 1.

Die Hin­weis­pflicht des Finanz­ge­richts

Eben­so wenig ist es gehal­ten, die maß­ge­ben­den recht­li­chen Gesichts­punk­te mit den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten vor­her umfas­send zu erör­tern oder ihnen die ein­zel­nen für die Ent­schei­dung erheb­li­chen Gesichts­punk­te im Vor­aus anzu­deu­ten (z.B. BFH, Urteil vom 28.02.1989 – VIII R 303/​84, BFHE 157, 51, BSt­Bl II 1989, 711; BFH, Beschluss vom 12.07.2002 – VII B 257/​01, BFH/​NV 2002, 1498, jeweils m.w.N.).

Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn ein Betei­lig­ter steu­er­lich bera­ten und im Pro­zess ent­spre­chend ver­tre­ten war 2.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall lag die recht­li­che Bedeu­tung der vor­zu­tra­gen­den Tat­sa­chen für den Aus­gang des Kla­ge­ver­fah­rens auf der Hand, da die Fami­li­en­kas­se noch mit Schrei­ben vom 27.01.2010 die Aner­ken­nung der Auf­wen­dun­gen für die Eng­land­rei­se im Rah­men der beson­de­ren Aus­bil­dungs­kos­ten abge­lehnt hat­te und der Klä­ger­ver­tre­ter dar­auf­hin im Schrei­ben vom 06.04.2010 selbst auf die Abgren­zung zwi­schen einem aus­bil­dungs­ori­en­tier­ten Aus­lands­auf­ent­halt und einer über­wie­gen­den Frei­zeit­be­schäf­ti­gung ein­ge­gan­gen war. Inso­fern muss­te sich für die anwalt­lich ver­tre­te­ne Klä­ge­rin ohne wei­te­res auf­drän­gen, dass etwai­ge wäh­rend des Aus­lands­auf­ent­halts durch­ge­führ­te Uni­ver­si­täts­be­su­che kon­kret (Orte, Zei­ten, Gesprächs­part­ner oder Ver­an­stal­tungs­teil­nah­men) dar­zu­le­gen und unter Beweis zu stel­len sind und dass die blo­ße Vor­la­ge all­ge­mein gehal­te­ner Schrei­ben der UCAS für einen Pro­zesserfolg nicht aus­rei­chend sein könn­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2014 – III B 86/​13

  1. vgl. u.a. BFH, Beschluss vom 04.08.1999 – VIII B 51/​98, BFH/​NV 2000, 204[]
  2. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2000, 204[]