Die fehlerhafte Klageabweisung durch Prozessurteil

8. September 2017 | Steuerrecht
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Weist das Finanzgericht eine Klage zu Unrecht durch Prozessurteil als unzulässig ab, statt zur Sache zu entscheiden, liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ein Verfahrensfehler i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO vor1.

Ein derartiger Mangel ist insbesondere gegeben, wenn das Gericht deshalb nicht zur Sache entscheidet, weil es zu Unrecht davon ausgeht, dass die Klagefrist versäumt ist2.

Ein Urteil ist stets als auf der Verletzung von Bundesrecht beruhend anzusehen, wenn einem Beteiligten das rechtliche Gehör versagt war (§ 119 Nr. 3 FGO). Das Vorliegen eines absoluten Revisionsgrundes hat grundsätzlich zur Folge, dass das Urteil des Finanzgericht aufzuheben und die Sache an das Finanzgericht zurückzuverweisen ist. Bei Vorliegen eines absoluten Revisionsgrundes ist § 126 Abs. 4 FGO daher grundsätzlich nicht anwendbar3.

Eine Ausnahme vom Grundsatz der Zurückverweisung ist allerdings dann zugelassen, wenn das Finanzgericht die Klage abgewiesen hat und sich diese Abweisung -ungeachtet des Vorliegens eines Verfahrensfehlers- im Ergebnis aus prozessualen Gründen als richtig erweist4.

Da § 126 Abs. 4 FGO nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs im Verfahren über die Nichtzulassungsbeschwerde entsprechende Anwendung findet5, ist die Beschwerde jedenfalls dann zurückzuweisen, wenn das Finanzgericht die Klage als unzulässig abgewiesen hat und sich diese Abweisung aus prozessualen Gründen als zutreffend erweist. In diesem Ausnahmefall kann es wegen der Unzulässigkeit der Klage zu keiner materiell-rechtlichen Prüfung des Klagebegehrens kommen6, sodass das Finanzgericht nach einer Zurückverweisung die Klage erneut als unzulässig abweisen müsste.

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 7. Juli 2017 – V B 168/16

  1. BFH, Beschlüsse vom 01.03.2013 – IX B 144/12, BFH/NV 2013, 952; und vom 15.07.2013 – IX B 28/13, BFH/NV 2013, 1537
  2. BFH, Urteil vom 24.09.1985 – IX R 47/83, BFHE 145, 299, BStBl II 1986, 268; BFH, Beschlüsse vom 26.05.2010 – VIII B 228/09, BFH/NV 2010, 2080, und in BFH/NV 2013, 1537
  3. ständige BFH-Rechtsprechung, vgl. BFH, Urteile vom 27.03.2001 – VII R 62/00, BFH/NV 2001, 1037; vom 27.03.2001 – I R 80/99, BFH/NV 2001, 1277, sowie vom 05.09.2001 – I R 101/99, BFH/NV 2002, 493; Gräber/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., § 119 Rz 1, m.w.N.
  4. BFH, Urteile in BFH/NV 2001, 1037, Rz 13; in BFH/NV 2001, 1277, Rz 16, sowie in BFH/NV 2002, 493, Rz 12; BFH, Urteil vom 24.09.1998 – V R 82/97, BFH/NV 1999, 487, Rz 16; BFH, Urteile vom 08.07.1994 – III R 78/92, BFHE 175, 7, BStBl II 1994, 859, Rz 29; vom 10.03.1987 – IX R 51/86, BFH/NV 1988, 35, Rz 18; vom 21.01.1999 – IV R 40/98, BFHE 188, 523, BStBl II 1999, 563, Rz 17; und vom 02.07.1998 – IV R 79/95 Rz 15, sowie vom 11.06.1969 – I R 27/68, BFHE 95, 529, BStBl II 1969, 492, Rz 8; ebenso Lange in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 119 FGO Rz 232; Seer in Tipke/Kruse, a.a.O., § 119 FGO Rz 18; Rüsken in Beermann/Gosch, FGO § 126 Rz 42; Gräber/Ratschow, a.a.O., § 119 Rz 3
  5. vgl. zuletzt BFH, Beschluss vom 18.06.2015 – X B 20/15, BFH/NV 2015, 1418
  6. Seer in Tipke/Kruse, a.a.O., § 119 FGO Rz 18

 
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