Die Kos­ten des Bei­ge­la­de­nen – vor Finanz­ge­richt und Bundesfinanzhof

Die Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kos­ten des Bei­ge­la­de­nen für das Kla­ge- und das Revi­si­ons­ver­fah­ren kann unter­schied­lich zu beur­tei­len sein.

Die Kos­ten des Bei­ge­la­de­nen – vor Finanz­ge­richt und Bundesfinanzhof

Die Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kos­ten des Bei­ge­la­de­nen für das Revi­si­ons­ver­fah­ren nach bil­li­gem Ermes­sen kommt auch in Betracht, wenn der Bei­ge­la­de­ne das Revi­si­ons­ver­fah­ren bis zur Erle­di­gung der Haupt­sa­che wesent­lich för­dert, indem er zur Sache vor­trägt, gegen die geän­der­te Fest­stel­lung der strei­ti­gen Besteue­rungs­grund­la­gen in den dem klä­ge­ri­schen Begeh­ren abhel­fen­den Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­den ‑auch zu sei­nen Las­ten- kei­ne Ein­wen­dun­gen erhebt und zum Aus­druck bringt, sich an die zwi­schen den Haupt­be­tei­lig­ten ver­ein­bar­te Eini­gung gebun­den zu fühlen.

Der Bei­ge­la­de­nen sind für das Kla­ge­ver­fah­ren kei­ne Kos­ten auf­zu­er­le­gen, wenn sie kei­nen Antrag i.S. des § 135 Abs. 3 FGO gestellt, son­dern wie das Finanz­amt die Abwei­sung der Kla­ge bean­tragt hat. Die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Bei­ge­la­de­nen für das Kla­ge­ver­fah­ren sind aus die­sem Grund auch nicht gemäß § 139 Abs. 4 FGO erstat­tungs­fä­hig1.

Der Bei­ge­la­de­nen sind für das Revi­si­ons­ver­fah­ren kei­ne Kos­ten auf­zu­er­le­gen, wenn sie ‑wie hier- kei­ne Sach­an­trä­ge gestellt hat (vgl. § 135 Abs. 3 FGO).

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall sind die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Bei­ge­la­de­nen für das Revi­si­ons­ver­fah­ren gleich­wohl gemäß § 139 Abs. 4 FGO erstat­tungs­fä­hig und nach bil­li­gem Ermes­sen dem Finanz­amt auf­zu­er­le­gen2.

Die Bei­ge­la­de­ne, die im Revi­si­ons­ver­fah­ren zwar kei­nen Antrag i.S. des § 135 Abs. 3 FGO gestellt und damit kein Kos­ten­ri­si­ko getra­gen hat, hat das Revi­si­ons­ver­fah­ren bis zur Erle­di­gung der Haupt­sa­che wesent­lich geför­dert. Sie hat zur Sache vor­ge­tra­gen und gegen die geän­der­te Fest­stel­lung der strei­ti­gen Besteue­rungs­grund­la­gen in den ange­kün­dig­ten Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­den, soweit die­se für sie ‑auch zu ihren Las­ten- fest­zu­stel­len sind, kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben. Sie hat zudem zum Aus­druck gebracht, sich trotz der außer­ge­richt­li­chen Erle­di­gung des Rechts­streits in der Haupt­sa­che an die Ände­rung der Besteue­rungs­grund­la­gen in den abhel­fen­den Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­den gebun­den zu füh­len. Dies ist einer För­de­rung des Ver­fah­rens durch einen Bei­ge­la­de­nen ver­gleich­bar, bei der die­ser zur Sache vor­trägt und auf die Durch­füh­rung der münd­li­chen Ver­hand­lung ver­zich­tet3.

Weiterlesen:
Die Kosten eines Abschlussschreibens

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. Juli 2021 – VIII R 21/​18

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 23.01.1985 – II R 2/​83, BFHE 143, 119, BStBl II 1985, 368 [Rz 22 f.]; vom 11.11.2010 – IV R 17/​08, BFHE 232, 28, BStBl II 2011, 716, Rz 26[]
  2. vgl. auch BFH, Urteil vom 18.05.2017 – III R 11/​15, BFHE 259, 78, BStBl II 2017, 1199, Rz 15, zur unter­schied­li­chen Beur­tei­lung der Erstat­tungs­fä­hig­keit der außer­ge­richt­li­chen Kos­ten gemäß § 139 Abs. 4 FGO im Kla­ge- und im Revi­si­ons­ver­fah­ren[]
  3. vgl. zur Kos­ten­er­stat­tung in die­sem Fall BFH, Urteil vom 15.06.2016 – II R 24/​15, BFHE 254, 60, BStBl II 2017, 128, Rz 21[]