Die Ladung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten – Man­dats­nie­der­le­gung und der Ter­min­ver­le­gungs­an­trag

Die Ladung für den Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung ist ord­nungs­ge­mäß erfolgt, wenn sie dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­gers ord­nungs­ge­mäß zuge­stellt wur­de (§ 62 Abs. 6 Satz 5 FGO). Die Wir­kung die­ser Ladung für und gegen die Klä­ger ist nicht dadurch ver­lo­ren gegan­gen, dass das Man­dats­ver­hält­nis nach Emp­fang der Ladung been­det wur­de 1.

Die Ladung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten – Man­dats­nie­der­le­gung und der Ter­min­ver­le­gungs­an­trag

Das Finanz­ge­richt ist grund­sätz­lich ver­pflich­tet, einen anbe­raum­ten Ver­hand­lungs­ter­min zu ver­le­gen, wenn hier­für ein erheb­li­cher Grund i.S. des § 227 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 155 FGO vor­liegt. Ob im Ein­zel­fall eine Ter­mins­ver­le­gung gerecht­fer­tigt ist, hat das Finanz­ge­richt anhand sämt­li­cher ihm bekann­ter Umstän­de zu beur­tei­len. Auch wenn der Klä­ger gemäß § 155 FGO i.V.m. § 227 Abs. 2 ZPO erheb­li­che Grün­de erst auf Ver­lan­gen glaub­haft zu machen hat, muss er gleich­wohl die Grün­de so genau ange­ben, dass sich das Gericht auf­grund sei­ner Schil­de­rung ein Urteil über deren Erheb­lich­keit bil­den kann. For­mel­haf­te, nicht im Ein­zel­nen nach­prüf­ba­re Begrün­dun­gen recht­fer­ti­gen eine Ter­mins­ver­le­gung nicht 2.

Ein erheb­li­cher Grund besteht nicht dar­in, dass der Klä­ger dem Finanz­ge­richt kurz­fris­tig vor dem anbe­raum­ten Ter­min mit E‑Mail vom 09.11.2012 ange­zeigt hat, dass das Man­dats­ver­hält­nis zum Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten "im gegen­sei­ti­gen (guten) Ein­ver­neh­men been­det" wor­den sei.

Es fehlt bereits an einer schlüs­si­gen Rüge. Hier­zu hät­ten die Klä­ger in der Beschwer­de­be­grün­dung u.a. in sub­stan­ti­ier­ter Form vor­tra­gen müs­sen 3, dass die Sache in tat­säch­li­cher und/​oder recht­li­cher Hin­sicht nicht ein­fach gewe­sen ist und sie an der Nie­der­le­gung des Man­dats kein Ver­schul­den getrof­fen hat 4, m.a.W. ihnen die feh­len­de fach­kun­di­ge Ver­tre­tung nicht zuzu­rech­nen ist. Die Klä­ger haben jedoch im Beschwer­de­ver­fah­ren selbst aus­ge­führt, dass intern mit dem (frü­he­ren) Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten schon im Monat Sep­tem­ber 2009 aus Grün­den der ört­li­chen Ent­fer­nung die Been­di­gung aller Man­da­te ver­ein­bart wor­den sei. Danach war ihnen die feh­len­de fach­kun­di­ge Ver­tre­tung in der münd­li­chen Ver­hand­lung selbst zuzu­rech­nen. Die Klä­ger hät­ten schon im Sep­tem­ber 2009 für die Bestel­lung eines neu­en Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten Sor­ge tra­gen 5 und eine fach­kun­di­ge Ver­tre­tung vor dem Finanz­ge­richt sicher­stel­len kön­nen.

Im Übri­gen liegt auch kein erheb­li­cher Grund vor. Nach dem erst­in­stanz­li­chen Vor­trag der Klä­ger ist schon zwei­fel­haft, ob über­haupt der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te das Man­dat nie­der­ge­legt hat. So hat der Klä­ger in sei­nem Schrei­ben vom 07.11.2012 an den (bis­he­ri­gen) Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten aus­ge­führt, es mache kei­nen Sinn, "dass Sie uns mit erheb­li­chen Kos­ten dort ver­tre­ten". Außer­dem hat der (bis­he­ri­ge) Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te dem Finanz­ge­richt am 9.11.2012 ‑vor Ein­gang der E‑Mail des Klä­gers- per Tele­fax ledig­lich mit­ge­teilt, dass er den Ter­min nicht wahr­neh­men wer­de, ohne auf eine Man­dats­nie­der­le­gung hin­zu­wei­sen. Schließ­lich hat der Klä­ger in sei­ner E‑Mail vom 09.11.2012 dem Finanz­ge­richt mit­ge­teilt, dass das Man­dat "im gegen­sei­ti­gen (guten) Ein­ver­neh­men" been­det wor­den sei. Dies Alles deu­tet dar­auf hin, dass ggf. die Klä­ger ‑ohne schutz­wür­di­ge Grün­de- das Man­dat selbst been­det haben. Danach wür­de ein erheb­li­cher Grund ohne­hin aus­schei­den 6.

Aber selbst wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te das Man­dat nie­der­ge­legt haben soll­te, wäre für das Vor­lie­gen eines erheb­li­chen Grun­des erfor­der­lich gewe­sen, dass die Klä­ger die Mit­tei­lung an das Finanz­ge­richt mit einer nach­voll­zieh­ba­ren Begrün­dung ver­se­hen hät­ten, die es dem Finanz­ge­richt erlaubt hät­te zu beur­tei­len, ob die Klä­ger hier­an ein Ver­schul­den trifft. Hier­an fehlt es.

So hat der Klä­ger in sei­ner E‑Mail vom 09.11.2012 aus­ge­führt, dass der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te, der zur recht­zei­ti­gen Anrei­se zum Ter­min sein Haus um ca.04.45 Uhr ver­las­sen müs­se, die­sen Auf­wand als nicht ver­tret­bar anse­he. Zu Recht hat das Finanz­ge­richt inso­weit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich nicht erschlie­ße, wes­halb der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te nicht in der Lage sei ‑anders als ande­re aus …- recht­zei­tig mit dem Flug­zeug zum Ter­min anzu­rei­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 24. Juni 2014 – III B 12/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 22.03.1994 – X R 66/​93, BFH/​NV 1994, 499[]
  2. BFH, Beschluss vom 24.04.2006 – VII B 78/​05, BFH/​NV 2006, 1668[]
  3. vgl. dazu BFH, Beschluss vom 08.11.2013 – X B 118/​13, BFH/​NV 2014, 364[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 364[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 21.07.2011 – IV B 99/​10, BFH/​NV 2011, 1904[]
  6. vgl. dazu BFH, Beschluss vom 16.12 1996 – I B 116/​94, juris; Stö­cker in Beermann/​Gosch, FGO § 91 Rz 75[]