Die nicht frist­ge­rech­te Kon­kre­ti­sie­rung eines Antrags auf „schlich­te“ Ände­rung

Ein wirk­sa­mer Antrag auf „schlich­te“ Ände­rung nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a i.V.m. Satz 2 und 3 AO zuguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen muss auf eine bestimm­te Ände­rung gerich­tet sein und des­halb das ver­folg­te Ände­rungs­be­geh­ren inner­halb der Ein­spruchs­frist oder der Kla­ge­frist sei­nem sach­li­chen Gehalt nach zumin­dest in gro­ben Zügen zu erken­nen geben [1].

Die nicht frist­ge­rech­te Kon­kre­ti­sie­rung eines Antrags auf „schlich­te“ Ände­rung

Eine Kon­kre­ti­sie­rung des Ände­rungs­be­geh­rens nach Ablauf der Kla­ge­frist kann auch nicht des­halb als frist­ge­recht ange­se­hen wer­den, weil das Finanz­amt einen Gesprächs­ter­min zur Erör­te­rung des Begeh­rens für die Zeit nach Ablauf der Kla­ge­frist ver­ein­bart und – nach Ablauf der Kla­ge­frist – schrift­lich mit­ge­teilt hat, dass die Mög­lich­keit einer Ände­rung nach § 172 Abs. 1 Satz 2 AO bestehe.

Auf eine Ver­let­zung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben in Gestalt des Anspruchs auf Fair­ness im Ver­fah­ren kann der Klä­ger die­se Auf­fas­sung nicht stüt­zen [2]. Denn das Schrei­ben des Finanz­amt wur­de vor­lie­gend erst nach Ablauf der Kla­ge­frist ver­fasst und konn­te schon des­halb kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand bei dem fach­kun­dig ver­tre­te­nen Klä­ger über eine auch nach dem 12.03.2007 bestehen­de Mög­lich­keit eines Antrags auf schlich­te Ände­rung schaf­fen.

Hin­zu kommt, dass nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 172 Abs. 1 Satz 3 AO und nach der stän­di­gen Recht­spre­chung [3] ein bestimm­ba­rer Antrag „vor Ablauf der Kla­ge­frist“ vor­aus­ge­setzt wird und des­halb für die den Klä­ger sei­ner­zeit ver­tre­ten­de Steu­er­be­ra­te­rin kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel an die­ser ‑unbe­ding­ten- Vor­ga­be des Geset­zes bestehen konn­ten.

Die Ver­ein­ba­rung eines Gesprächs­ter­mins für die Zeit nach Ablauf der Kla­ge­frist konn­te des­halb für sich genom­men eben­falls kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand für die Annah­me einer geset­zes­wid­rig ver­län­ger­ten Antrags­frist schaf­fen, sodass auch für einen gel­tend gemach­ten Anspruch auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach § 110 AO schon man­gels Ent­schuld­bar­keit der Frist­ver­säum­nis kein Raum wäre. Im Übri­gen sind Anhalts­punk­te für die Zusa­ge einer ent­spre­chen­den Ver­län­ge­rung der Frist [4] nicht ersicht­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – VIII R 46/​11

  1. BFH, Urtei­le vom 27.10.1993 – XI R 17/​93, BFHE 172, 493, BStBl II 1994, 439; vom 21.10.1999 – I R 25/​99, BFHE 190, 285, BStBl II 2000, 283; vom 20.12 2006 – X R 30/​05, BFHE 216, 31, BStBl II 2007, 503[]
  2. vgl. dazu BFH, Urteil vom 31.08.2010 – VIII R 36/​08, BFHE 231, 1, BStBl II 2011, 126, sowie BFH, Beschlüs­se vom 12.09.1991 – X R 38/​91, BFH/​NV 1992, 50; vom 20.07.2011 – X B 36/​11, BFH/​NV 2011, 2079; vom 11.03.2013 – I B 95/​12, BFH/​NV 2013, 1425; zur Anwen­dung im Besteue­rungs­ver­fah­ren BFH, Beschluss vom 04.06.2003 – VII B 138/​01, BFHE 202, 231, BStBl II 2003, 790; BFH, Urteil vom 05.10.2004 – VII R 37/​03, BFHE 208, 1, BStBl II 2005, 238; BFH, Beschluss vom 29.07.2005 – VII B 340/​04, BFH/​NV 2005, 1969[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 172, 493, BStBl II 1994, 439; in BFHE 190, 285, BStBl II 2000, 283; in BFHE 216, 31, BStBl II 2007, 503[]
  4. zu den Anfor­de­run­gen an die Wirk­sam­keit von Zusa­gen der Finanz­ver­wal­tung vgl. BFH, Urteil vom 21.07.1988 – V R 97/​83, BFH/​NV 1989, 356[]