Die Rück­nah­me eines rechtsw­d­ri­gen Steu­er­be­scheids – als Ermessensentscheidung

Die Rück­nah­me eines rechts­wid­ri­gen Ver­wal­tungs­akts ist nach dem Wort­laut des § 130 Abs. 1 AO („kann“) eine Ermes­sens­ent­schei­dung der Finanz­be­hör­de i.S. des § 5 AO, die grund­sätz­lich nur ein­ge­schränk­ter gericht­li­cher Nach­prü­fung unter­liegt (§§ 102, 121 FGO). 

Die Rück­nah­me eines rechtsw­d­ri­gen Steu­er­be­scheids – als Ermessensentscheidung

Sie kann im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob die Ableh­nung der Rück­nah­me rechts­wid­rig gewe­sen ist, weil das Finanz­amt die gesetz­li­chen Gren­zen des Ermes­sens über­schrit­ten oder von dem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat1.

Stellt das Gericht einen Ermes­sens­feh­ler fest, ist es grund­sätz­lich auf die Auf­he­bung der ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­ent­schei­dung beschränkt.

Die Ableh­nung der Rück­nah­me eines (rechts­wid­ri­gen) unan­fecht­ba­ren Ver­wal­tungs­akts ist grund­sätz­lich nicht ermes­sens­feh­ler­haft, wenn der Betrof­fe­ne die Grün­de, die sei­ner Auf­fas­sung nach eine Rück­nah­me recht­fer­ti­gen, mit einem frist­ge­recht ein­ge­leg­ten Rechts­be­helf gegen den Ver­wal­tungs­akt hät­te vor­brin­gen kön­nen2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Janu­ar 2021 – VII R 38/​19

  1. vgl. BFH, Urteil vom 06.12.2012 – V R 1/​12, BFH/​NV 2013, 906[]
  2. BFH, Urteil vom 23.09.2009 – XI R 56/​07, BFH/​NV 2010, 12, unter II. 3.a aa; BFH, Beschluss vom 22.06.1999 – VII B 244/​98, BFH/​NV 1999, 1583[]

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