Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und der Rüge­ver­lust des Klä­gers

Das erst­in­stanz­li­che Gericht hat nach § 76 Abs. 1 FGO den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt von Amts wegen zu erfor­schen. Dies gilt inso­weit, als Auf­klä­rungs­maß­nah­men durch den Inhalt der Akten, das Betei­lig­ten­vor­brin­gen oder sons­ti­ge Umstän­de ver­an­lasst sind. Dabei ste­hen die Art und Wei­se der Beweis­erhe­bung und die Aus­wahl der Beweis­mit­tel grund­sätz­lich im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Gerichts 1.

Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und der Rüge­ver­lust des Klä­gers

Aller­dings ist der im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gel­ten­de Unter­su­chungs­grund­satz eine Ver­fah­rens­vor­schrift, auf deren Ein­hal­tung ein Betei­lig­ter ‑aus­drück­lich oder durch Unter­las­sen einer Rüge- ver­zich­ten kann (§ 155 FGO i.V.m. § 295 ZPO). Das Unter­las­sen der recht­zei­ti­gen Rüge hat den end­gül­ti­gen Rüge­ver­lust zur Fol­ge 2. Etwas ande­res kann bei einem fach­kun­dig ver­tre­te­nen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nur dann gel­ten, wenn er auf­grund des Ver­hal­tens des Finanz­ge­richts die Rüge für ent­behr­lich hal­ten durf­te 3.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall hat die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Finanz­ge­richt aus­weis­lich des Sit­zungs­pro­to­kolls weder Beweis­an­trä­ge gestellt noch das Unter­las­sen einer von Amts wegen, auch ohne ent­spre­chen­den Beweis­an­trag gebo­te­nen Sach­auf­klä­rung gerügt. Dabei war bereits aus der Ladung ersicht­lich, dass kei­ne Zeu­gen zu dem Ter­min gela­den wor­den waren. Dass bzw. war­um eine ent­spre­chen­de Rüge für ent­behr­lich gehal­ten wur­de, ist nicht dar­ge­legt wor­den und auch nicht aus den Akten ersicht­lich. Damit hat der Klä­ger sein Rüge­recht ver­lo­ren.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. März 2019 – VII R 27/​17

  1. vgl. auch BFH, Urteil vom 23.04.2014 – VII R 41/​12, BFHE 245, 493, BSt­Bl II 2015, 117[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 16.01.2018 – VI R 2/​16, BFH/​NV 2018, 712, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 27.11.2017 – IX B 144/​16, BFH/​NV 2018, 218[]