Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und ihre Rüge in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Die Rüge, das Finanz­ge­richt habe den Sach­ver­halt ent­ge­gen § 76 Abs. 1 Satz 1 FGO nicht hin­rei­chend auf­ge­klärt, muss in ihrer Begrün­dung den Anfor­de­run­gen des § 120 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. b FGO ent­spre­chen. Soweit die Revi­si­on dar­auf gestützt wird, dass das Gesetz in Bezug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei, muss die Revi­si­ons­be­grün­dung nach die­ser Vor­schrift die Tat­sa­chen bezeich­nen, die den Man­gel erge­ben.

Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und ihre Rüge in der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Da die Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht ein ver­zicht­ba­rer Ver­fah­rens­man­gel ist (§ 155 FGO i.V.m. § 295 Abs. 1 der Zivil­pro­zess­ord­nung ‑ZPO-), hät­te die Klä­ge­rin zur schlüs­si­gen Rüge eines sol­chen Man­gels vor­tra­gen müs­sen, dass sie den Feh­ler in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Finanz­ge­richt, in der sie durch einen Rechts­an­walt sach- und fach­kun­dig ver­tre­ten war, gerügt habe oder wes­halb ihr eine sol­che Rüge nicht mög­lich gewe­sen sei 1. Dies ist nicht gesche­hen.

Die schlüs­si­ge Dar­le­gung der Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht durch das Finanz­ge­richt erfor­dert dar­über hin­aus Anga­ben, wel­che Tat­sa­chen das Finanz­ge­richt mit wel­chen Beweis­mit­teln noch hät­te auf­klä­ren sol­len und wes­halb sich dem Finanz­ge­richt eine Auf­klä­rung unter Berück­sich­ti­gung sei­nes ‑inso­weit maß­geb­li­chen- Rechts­stand­punk­tes hät­te auf­drän­gen müs­sen. Wei­ter ist dar­zu­le­gen, wel­ches Ergeb­nis die Beweis­erhe­bung hät­te erwar­ten las­sen und inwie­fern die­ses zu einer für den Rechts­mit­tel­füh­rer güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung hät­te füh­ren kön­nen 2.

Unzu­läs­sig ist die Rüge, das Finanz­ge­richt habe den ihm vor­lie­gen­den Akten­in­halt feh­ler­haft gewür­digt, dage­gen, wenn kein Ver­fah­rens­ver­stoß, son­dern hier­durch ledig­lich ein angeb­lich mate­ri­ell-recht­li­cher Feh­ler gel­tend gemacht wird 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. August 2017 – II R 48/​15

  1. z.B. BFH, Urteil vom 13.11.2014 – III R 38/​12, HFR 2015, 584, Rz 31; BFH, Beschluss vom 12.05.2016 – III B 5/​16, BFH/​NV 2016, 1292, Rz 4, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 25.10.2016 – VIII B 50/​16, BFH/​NV 2017, 57, Rz 2; und vom 02.03.2017 – XI B 81/​16, BFH/​NV 2017, 748, Rz 28, jeweils m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 748, Rz 34, m.w.N.[]