Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und der Beweis­an­trag

Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht nach § 76 Abs. 1 FGO erfor­dert, dass das Finanz­ge­richt Tat­sa­chen und Beweis­mit­teln nach­geht, die sich ihm in Anbe­tracht der Umstän­de des Ein­zel­fal­les hät­ten auf­drän­gen müs­sen 1.

Die Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Finanz­ge­richts – und der Beweis­an­trag

Es darf sub­stan­ti­ier­te Beweis­an­trä­ge, die den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt betref­fen, grund­sätz­lich weder ableh­nen noch über­ge­hen 2.

Dem­ge­gen­über muss das Finanz­ge­richt unsub­stan­ti­ier­ten Beweis­an­trä­gen nicht nach­ge­hen. Ein Beweis­an­trag ist unsub­stan­ti­iert, wenn er nicht angibt, wel­che kon­kre­te Tat­sa­che durch wel­ches Beweis­mit­tel nach­ge­wie­sen wer­den soll 3.

Zudem erfor­dert ein sub­stan­ti­ier­ter Beweis­an­trag zur Ver­neh­mung eines Zeu­gen, der über inne­re Vor­gän­ge bei einer ande­ren Per­son ver­nom­men wer­den soll, Anga­ben dazu, wel­che Anhalts­punk­te für die Rich­tig­keit der in das Wis­sen des Zeu­gen gestell­ten Behaup­tun­gen spre­chen 4. Denn inne­re Vor­gän­ge sind einer direk­ten Wahr­neh­mung durch eine ande­re Per­son ent­zo­gen, so dass der Zeu­ge nur äuße­re Umstän­de bekun­den kann, die einen Rück­schluss auf den zu bewei­sen­den inne­ren Vor­gang zulas­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Mai 2017 – II R 35/​15

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Beschluss vom 27.07.2016 – V B 4/​16, BFH/​NV 2016, 1740[]
  2. BFH, Beschluss vom 15.12 2016 – VI B 50/​16, BFH/​NV 2017, 598[]
  3. BFH, Beschluss vom 01.03.2016 – V B 44/​15, BFH/​NV 2016, 934[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 12.07.2012 – III ZR 104/​11, NJW-RR 2013, 217, Rz 26[]