Die salop­pen For­mu­lie­run­gen eines Rich­ters

Salop­pe For­mu­lie­run­gen eines Rich­ters begrün­den noch kei­ne Besorg­nis der Befan­gen­heit.

Die salop­pen For­mu­lie­run­gen eines Rich­ters

Nach § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. § 42 ZPO kann ein Rich­ter wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit abge­lehnt wer­den, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen sei­ne Unpar­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen. Ein der­ar­ti­ger Grund besteht, wenn ein Betei­lig­ter von sei­nem Stand­punkt aus –jedoch nach Maß­ga­be einer ver­nünf­ti­gen, objek­ti­ven Betrach­tung– davon aus­ge­hen kann, der Rich­ter wer­de nicht unvor­ein­ge­nom­men, son­dern unsach­lich oder will­kür­lich ent­schei­den. Frei­mü­ti­ge oder salop­pe For­mu­lie­run­gen geben grund­sätz­lich kei­nen Anlass zur Besorg­nis der Befan­gen­heit ((vgl. BFH, Beschluss vom 28.05.2001 – IV B 118/​00, BFH/​NV 2001, 1431, m.w.N.). Evi­dent unsach­li­che oder unan­ge­mes­se­ne sowie her­ab­set­zen­de und belei­di­gen­de Äuße­run­gen des Rich­ters kön­nen aber die Besorg­nis der Befan­gen­heit recht­fer­ti­gen, wenn sie den nöti­gen Abstand zwi­schen Per­son und Sache ver­mis­sen las­sen.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall sool­te die Befan­gen­heit des abge­lehn­ten Rich­ters nach Auf­fas­sung der Klä­ge­rin dar­auf beru­hen, dass der Rich­ter im Erör­te­rungs­ter­min auf das Ange­bot, das Vor­brin­gen der Klä­ge­rin eides­statt­lich zu ver­si­chern, erklärt habe: "Ich muss ja nicht alles glau­ben." Zudem habe er vor dem Hin­ter­grund, dass die Klä­ge­rin im gericht­li­chen Ver­fah­ren nach einem erneu­ten Umzug ihre neue Anschrift nicht mit­ge­teilt habe, geäu­ßert, dass sie es mit sol­chen Din­gen und ins­be­son­de­re mit Fris­ten nicht sehr genau neh­me.

Das von der Klä­ge­rin dar­auf­hin gestell­te Ableh­nungs­ge­such wur­de ohne Mit­wir­kung des abge­lehn­ten Rich­ters zurück­ge­wie­sen. Der Bericht­erstat­ter hat­te in sei­ner dienst­li­chen Äuße­rung hier­zu im Wesent­li­chen erklärt, er habe mit sei­nen Bemer­kun­gen dar­auf auf­merk­sam machen wol­len, dass es zum einen auf den genau­en Inhalt einer ent­spre­chen­den eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung ankä­me und zum ande­ren kei­ne aus­nahms­lo­se Bin­dung des Gerichts an die­se bestehe. Fer­ner sei das Ver­hal­ten der Klä­ge­rin im Pro­zess im Hin­blick auf die strit­ti­gen Punk­te der Zuläs­sig­keit der öffent­li­chen Zustel­lung und der behaup­te­ten recht­zei­ti­gen Ein­spruchs­ein­le­gung zur Spra­che gekom­men.

Vor die­sem Hin­ter­grund und unter Berück­sich­ti­gung der Pro­zess­för­de­rungs­pflicht des Bericht­erstat­ters im vor­be­rei­ten­den Ver­fah­ren (§ 76 Abs. 2 FGO) erscheint das vom Finanz­ge­richt gefun­de­ne Ergeb­nis, dass die Äuße­run­gen des Bericht­erstat­ters die Gren­ze der zuläs­si­gen Mei­nungs­äu­ße­rung nicht über­schrit­ten haben und ins­be­son­de­re kei­nen evi­dent unsach­li­chen Inhalt hat­ten, jeden­falls nicht will­kür­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Okto­ber 2012 – III B 66/​12