Die aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. – und die Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung

Eine in einem ande­ren EU-Mit­gleids­staat ansäs­si­ge Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft ist jedoch in jedem Fall gemäß § 80 Abs. 5 AO als Bevoll­mäch­tig­te zurück­zu­wei­sen, wenn sie nicht über die erfor­der­li­che Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung oder einen ande­ren indi­vi­du­el­len oder kol­lek­ti­ven Schutz in Bezug auf die Berufs­haft­pflicht ver­fügt.

Die aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. – und die Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung

§§ 51 ff. der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung der Vor­schrif­ten über Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­te und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten (DVStB) gel­ten auf­grund des mit die­sen Vor­schrif­ten ver­folg­ten Schutz­zwecks auch für aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten, die nach den Vor­schrif­ten des StBerG (§ 2 Satz 1, § 3 Nr. 3, § 3a, § 32 Abs. 3, §§ 49 ff.) nicht zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen i.S. des § 80 Abs. 5 AO befugt sind und die­se Befug­nis daher unmit­tel­bar aus der Dienst­leis­tungs­frei­heit ablei­ten wol­len. Ver­fügt eine sol­che Gesell­schaft nicht über einen den Anfor­de­run­gen der §§ 51 ff. DVStB ent­spre­chen­den Schutz in Bezug auf die Berufs­haft­pflicht, kann sie die Befug­nis zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen auch nicht auf die Dienst­leis­tungs­frei­heit stüt­zen 1. Dar­in liegt kei­ne unzu­läs­si­ge Ein­schrän­kung der Dienst­leis­tungs­frei­heit. Dies ist auf­grund der im BFH, Urteil in BFHE 234, 474, BSt­Bl II 2011, 906, Rz 28 ff. ange­führ­ten Recht­spre­chung des EuGH bereits geklärt. Ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den EuGH gemäß Art. 267 AEUV ist somit nicht erfor­der­lich.

Die Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. war danach im vor­lie­gen­den Fall bei Erge­hen des Zurück­wei­sungs­be­scheids nicht zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen i.S. des § 80 Abs. 5 AO befugt, weil sie sei­ner­zeit nicht über den erfor­der­li­chen Schutz in Bezug auf die Berufs­haft­pflicht ver­füg­te. Dem erst spä­ter erfolg­ten Abschluss einer Haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt kei­ne auf die­sen Zeit­punkt zurück­wir­ken­de Bedeu­tung zu. Für die Prü­fung der Recht­mä­ßig­keit eines Zurück­wei­sungs­be­scheids nach § 80 Abs. 5 AO sind die Ver­hält­nis­se bei des­sen Erge­hen maß­ge­bend 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Janu­ar 2017 – II R 3/​14

  1. BFH, Urtei­le in BFHE 234, 474, BSt­Bl II 2011, 906, und in BFHE 255, 367, Rz 62 f., 68
  2. vgl. BFH, Urteil in BFHE 255, 367, Rz 12, 27, 44, 47 f., 67