Die aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft – und ihre Eigen­ver­tre­tung beim Bun­des­fi­nanz­hof

Eine aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft, die nach deut­schem Recht nicht befugt ist, sich beim Bun­des­fi­nanz­hof selbst zu ver­tre­ten, kann die­se Befug­nis auch nicht aus der Dienst­leis­tungs­frei­heit her­lei­ten.

Die aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft – und ihre Eigen­ver­tre­tung beim Bun­des­fi­nanz­hof

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof im Fal­le einer Kapi­tal­ge­sell­schaft bri­ti­schen Rechts (Ltd.) mit einer Nie­der­las­sung in den Nie­der­lan­den, deren Gesell­schaf­ter und Geschäfts­füh­rer ("direc­tor") zwei Per­so­nen sind, von denen einer nicht zu dem Per­so­nen­kreis des § 3 Nr. 1 StBerG gehört und der ande­re in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als Steu­er­be­ra­ter bestellt gewe­sen war. des­sem Bestel­lung aber im Jahr 2000 wegen Ver­mö­gens­ver­falls bestands­kräf­tig wider­ru­fen wur­de. Die­se Gesell­schaft berät in Deutsch­land zahl­rei­che Man­dan­ten in steu­er­li­chen Ange­le­gen­hei­ten und tritt als deren Bevoll­mäch­tig­te auf. Nach Aus­kunft der zustän­di­gen Steu­er­be­ra­ter­kam­mer sind weder die Ltd. noch die bei­den direc­tors gemäß § 3a StBerG in deren Berufs­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.

Nach § 62 Abs. 4 Satz 1 FGO müs­sen sich die Betei­lig­ten vor dem Bun­des­fi­nanz­hof durch Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Dies gilt auch für Pro­zess­hand­lun­gen, durch die ein Ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­lei­tet wird (§ 62 Abs. 4 Satz 2 FGO).

Als Bevoll­mäch­tig­te sind gemäß § 62 Abs. 4 Satz 3 FGO nur die in § 62 Abs. 2 Satz 1 FGO bezeich­ne­ten Per­so­nen und Gesell­schaf­ten zuge­las­sen. Ein Betei­lig­ter, der nach Maß­ga­be des § 62 Abs. 4 Satz 3 FGO zur Ver­tre­tung berech­tigt ist, kann sich gemäß § 62 Abs. 4 Satz 5 FGO selbst ver­tre­ten. Für Behör­den und juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts gel­ten die Son­der­vor­schrif­ten des § 62 Abs. 4 Satz 4 FGO.

Von § 62 Abs. 2 Satz 1 FGO bezeich­net wer­den Rechts­an­wäl­te, Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­te, Wirt­schafts­prü­fer und ver­ei­dig­te Buch­prü­fer sowie Gesell­schaf­ten i.S. des § 3 Nr. 2 und 3 StBerG, die durch sol­che Per­so­nen han­deln. Den Rechts­an­wäl­ten gleich­ge­stellt sind gemäß § 2 Abs. 1 EuRAG i.V.m. §§ 1, 3 Abs. 1 und 2 BRAO nie­der­ge­las­se­ne euro­päi­sche Rechts­an­wäl­te. Ein nie­der­ge­las­se­ner euro­päi­scher Rechts­an­walt ist nach § 2 Abs. 1 EuRAG ein euro­päi­scher Rechts­an­walt, der auf Antrag in die für den Ort sei­ner Nie­der­las­sung zustän­di­ge Rechts­an­walts­kam­mer auf­ge­nom­men wur­de (§ 3 EuRAG).

Gesell­schaf­ten i.S. des § 3 Nr. 2 und 3 StBerG sind Part­ner­schafts­ge­sell­schaf­ten, deren Part­ner aus­schließ­lich die in § 3 Nr. 1 StBerG genann­ten Per­so­nen (Steu­er­be­ra­ter, Steu­er­be­voll­mäch­tig­te, Rechts­an­wäl­te, nie­der­ge­las­se­ne euro­päi­sche Rechts­an­wäl­te, Wirt­schafts­prü­fer und ver­ei­dig­te Buch­prü­fer) sind, sowie Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten, Rechts­an­walts­ge­sell­schaf­ten, Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten und Buch­prü­fungs­ge­sell­schaf­ten. Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten bedür­fen nach § 32 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. §§ 49 ff. StBerG der Aner­ken­nung. Die Aner­ken­nung setzt nach § 32 Abs. 3 Satz 2 StBerG u.a. vor­aus, dass die Gesell­schaft von Steu­er­be­ra­tern ver­ant­wort­lich geführt wird. Rechts­an­walts­ge­sell­schaf­ten bedür­fen der Zulas­sung gemäß §§ 59c ff. BRAO.

Die Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. kann sich nicht nach § 62 Abs. 4 Satz 5 FGO beim Bun­des­fi­nanz­hof selbst ver­tre­ten. Sie erfüllt nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 62 Abs. 4 Satz 3 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 FGO. Sie ist kei­ne Gesell­schaft i.S. des § 3 Nr. 2 oder 3 StBerG. Sie ist nicht als Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft aner­kannt und nicht als Rechts­an­walts­ge­sell­schaft zuge­las­sen. Dass es sich bei den bei­den Gesell­schaf­tern um nie­der­ge­las­se­ne euro­päi­sche Rechts­an­wäl­te hand­le, bringt die Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. nicht vor und ist auch nicht ersicht­lich. Ent­ge­gen der Ansicht der Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. sind Advo­ca­tes nach dem Recht Groß­bri­tan­ni­ens, die kei­ne nie­der­ge­las­se­nen euro­päi­schen Rechts­an­wäl­te i.S. der §§ 2, 3 EuRAG sind, beim Bun­des­fi­nanz­hof nicht ver­tre­tungs­be­fugt. Davon abge­se­hen hat die Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. ihr Vor­brin­gen, die bei­den Gesell­schaf­ter sei­en sol­che Advo­ca­tes, nicht belegt.

Die Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. kann sich im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang nicht auf die Dienst­leis­tungs­frei­heit (Art. 56 AEUV) beru­fen.

Nach Art. 56 Abs. 1 AEUV sind die Beschrän­kun­gen des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs inner­halb der Uni­on für Ange­hö­ri­ge der Mit­glied­staa­ten, die in einem ande­ren Mit­glied­staat als dem­je­ni­gen des Leis­tungs­emp­fän­gers ansäs­sig sind, nach Maß­ga­be der dem Art. 56 AEUV fol­gen­den Bestim­mun­gen ver­bo­ten. Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne der Ver­trä­ge sind gemäß Art. 57 Abs. 1 AEUV Leis­tun­gen, die in der Regel gegen Ent­gelt erbracht wer­den, soweit sie nicht den Vor­schrif­ten über den frei­en Waren- und Kapi­tal­ver­kehr und über die Frei­zü­gig­keit der Per­so­nen unter­lie­gen. Als Dienst­leis­tun­gen gel­ten ins­be­son­de­re gewerb­li­che Tätig­kei­ten, kauf­män­ni­sche Tätig­kei­ten, hand­werk­li­che Tätig­kei­ten und frei­be­ruf­li­che Tätig­kei­ten. Das Wesens­merk­mal des Ent­gelts besteht dar­in, dass es die wirt­schaft­li­che Gegen­leis­tung für die betref­fen­de Leis­tung dar­stellt, wobei die Gegen­leis­tung in der Regel zwi­schen dem Erbrin­ger und dem Emp­fän­ger der Leis­tung ver­ein­bart wird 1.

Die Ein­le­gung von Rechts­mit­teln bei Gericht im eige­nen Namen ist danach kei­ne unter die Dienst­leis­tungs­frei­heit fal­len­de Dienst­leis­tung. Zum einen fehlt es an einem Dienst­leis­tungs­emp­fän­ger. Es han­delt sich nicht um eine Dienst­leis­tung gegen­über dem Gericht, son­dern um ein Han­deln im eige­nen Inter­es­se. Zum ande­ren erfolgt die­ses Han­deln auch nicht gegen Ent­gelt. Der freie Dienst­leis­tungs­ver­kehr inner­halb der Uni­on ist somit nicht betrof­fen.

Mit der Ein­le­gung der Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof im eige­nen Namen hat die Steu­er­be­ra­tungs-Ltd. somit kei­ne Dienst­leis­tung i.S. der Art. 56, 57 AEUV erbracht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Janu­ar 2017 – II R 33/​16

  1. EuGH, Urteil Fres­kot vom 22.05.2003 – C‑355/​00, EU:C:2003:298, Rz 55, m.w.N.[]