Die aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­ne Über­zeu­gung des Gerichts

Das Gericht ent­schei­det gemäß § 96 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 FGO nach sei­ner Über­zeu­gung, die es aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­nen hat.

Die aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­ne Über­zeu­gung des Gerichts

Hier­zu zäh­len insbesondere

  • die Schrift­sät­ze der Beteiligten, 
  • ihr Vor­brin­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung sowie in einem etwai­gen Erörterungstermin, 
  • ihr Ver­hal­ten,
  • die den Streit­fall betref­fen­den Steu­er­ak­ten,
  • bei­gezo­ge­ne Akten eines ande­ren Verfahrens, 
  • vom Gericht ein­ge­hol­te Aus­künf­te,
  • Urkun­den und
  • die auf­grund einer ggf. durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me gewon­ne­nen Beweisergebnisse.
  • Auch offen­kun­di­ge und gerichts­be­kann­te Tat­sa­chen sind zu berücksichtigen.

Hier­aus folgt, dass das Gericht weder Umstän­de, die zum Gegen­stand des Ver­fah­rens gehö­ren, ohne zurei­chen­den Grund aus­blen­den noch sei­ne Über­zeu­gung auf Umstän­de grün­den darf, die nicht zum Gegen­stand des Ver­fah­rens zäh­len. Es darf auch nicht von einem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt aus­ge­hen, der in den Akten kei­ne Stüt­ze fin­det oder der nicht durch aus­rei­chen­de tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen getra­gen wird1.

Ein Ver­stoß gegen § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO liegt hin­ge­gen nicht bereits des­halb vor, weil das Finanz­ge­richt den ihm vor­lie­gen­den Akten­in­halt nicht ent­spre­chend den klä­ge­ri­schen Vor­stel­lun­gen wür­digt oder die Wür­di­gung des Finanz­ge­richts feh­ler­haft erscheint. Inso­weit han­delt es sich um mate­ri­ell-recht­li­che Feh­ler, nicht um einen Ver­fah­rens­ver­stoß2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Febru­ar 2021 – VIII B 70/​20

  1. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 23.04.2020 – X B 156/​19, BFH/​NV 2020, 1077, Rz 10, 11; BFH, Beschluss vom 05.06.2020 – VIII B 38/​19, BFH/​NV 2020, 1267, Rz 3[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 02.01.2019 – VIII B 131/​18, BFH/​NV 2019, 286, Rz 8; vom 24.04.2007 – VIII B 251/​05, BFH/​NV 2007, 1521, m.w.N.[]

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Angemessene Dauer einer vom Finanzamt gesetzten Ausschlussfrist