Die ver­früht erho­be­ne Untä­tig­keits­kla­ge – und der Erör­te­rungs­ter­min beim Finanz­amt

Eine Untä­tig­keits­kla­ge ist unzu­läs­sig, wenn das Finanz­amt dem Steu­er­pflich­ti­gen vor Kla­ge­er­he­bung einen zurei­chen­den Grund für die vor­läu­fi­ge Nicht­be­schei­dung des Ein­spruchs mit­ge­teilt hat 1.

Die ver­früht erho­be­ne Untä­tig­keits­kla­ge – und der Erör­te­rungs­ter­min beim Finanz­amt

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te das Finanz­amt dem Klä­ger vor Kla­ge­er­he­bung zwar mit Schrei­ben vom 22.01.2015 ‑inner­halb der Sechs-Monats-Frist- zunächst in Aus­sicht gestellt, noch im Lau­fe des Janu­ar 2015 über die Ein­sprü­che zu ent­schei­den. Am 5.02.2015 lud das Finanz­ge­richt indes in dem zur Ein­kom­men­steu­er 2010 anhän­gi­gen Kla­ge­ver­fah­ren für den 19.03.2015 zu einem Erör­te­rungs­ter­min. Dar­auf­hin wand­te sich das Finanz­amt am 18.02.2015 erneut an den Klä­ger und teil­te mit, es stel­le im Hin­blick auf den "recht kurz­fris­tig anbe­raum­ten" Erör­te­rungs­ter­min die Ent­schei­dung über die Ein­sprü­che vor­erst zurück. Im Rah­men des Erör­te­rungs­ter­mins sei eine Klä­rung strei­ti­ger Sach- und Rechts­fra­gen denk­bar, wes­halb es die­se kur­ze Ver­fah­rens­ru­he als zweck­mä­ßig anse­he.

Jeden­falls in die­sem Schrei­ben hat das Finanz­amt dem Klä­ger einen zurei­chen­den Grund für die Zurück­stel­lung der Ent­schei­dung über die Ein­sprü­che mit­ge­teilt. Das Finanz­ge­richt durf­te daher die vom Klä­ger noch vor Durch­füh­rung des Erör­te­rungs­ter­mins erho­be­ne Untä­tig­keits­kla­ge als unzu­läs­sig anse­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Mai 2016 – X B 174/​15

  1. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 14.03.1972 – VII R 9/​69, BFHE 105, 92, BSt­Bl II 1972, 546; und vom 31.08.2006 – II B 141/​05, BFH/​NV 2006, 2296, unter II. 1.[]