Die unter­blie­be­ne Zeu­gen­ver­neh­mung durch das Finanz­ge­richt

Ein Ver­fah­rens­man­gel liegt vor, wenn das Finanz­ge­richt einen ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Beweis­an­trag über­geht. Für die Fra­ge aller­dings, ob ein Beweis­an­trag ent­schei­dungs­er­heb­lich ist, ist von dem mate­ri­ell-recht­li­chen Stand­punkt des Finanz­ge­richt aus­zu­ge­hen.

Die unter­blie­be­ne Zeu­gen­ver­neh­mung durch das Finanz­ge­richt

Das gilt auch dann, wenn die­ser unrich­tig sein soll­te1. Die Fra­ge, ob die Rechts­auf­fas­sung des Finanz­ge­richt in der Sache zutrifft, ist eine ein­fa­che Fra­ge mate­ri­el­len Rechts.

Feh­ler bei der Anwen­dung des mate­ri­el­len Rechts aber recht­fer­ti­gen außer­halb qua­li­fi­zier­ter Rechts­an­wen­dungs­feh­ler für sich genom­men die Zulas­sung der Revi­si­on nicht. Der mate­ri­ell-recht­li­che Stand­punkt des Finanz­ge­richt kann folg­lich für die Beur­tei­lung des Beweis­an­trags erst dann nicht mehr maß­ge­bend sein, wenn im Hin­blick auf die mate­ri­ell-recht­li­che Rechts­an­sicht des Finanz­ge­richt zuläs­si­ge und begrün­de­te Zulas­sungs­rü­gen vor­ge­bracht wor­den sind, mit­hin in Bezug auf die­se Rechts­auf­fas­sung ein selb­stän­di­ger Zulas­sungs­grund vor­liegt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 1. Juni 2015 – X B 6/​15

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 28.04.2014 – X B 12/​14, BFH/​NV 2014, 1383; Gräber/​Ruban, a.a.O., § 115 Rz 79, 80; Lan­ge in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 115 FGO Rz 225, 238, m.w.N.