Die ver­frü­he­te, gut­gläu­bi­ge Kla­ge­rück­nah­me

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat im Anschluss an die stän­di­ge Recht­spre­chung einen Bil­lig­keits­er­lass wegen fal­scher Steu­er­fest­set­zung nur dann für gerecht­fer­tigt erach­tet hat, wenn die Feh­ler­haf­tig­keit offen­sicht­lich und ein­deu­tig ist und wenn es dem Steu­er­pflich­ti­gen nicht mög­lich oder nicht zumut­bar war, sich gegen die Feh­ler­haf­tig­keit recht­zei­tig zu weh­ren 1.

Die ver­frü­he­te, gut­gläu­bi­ge Kla­ge­rück­nah­me

Unmög­lich­keit und Unzu­mut­bar­keit sind Fäl­le feh­len­den Ver­schul­dens.

Es wäre ein gro­ber Wer­tungs­wi­der­spruch, zwar bei schuld­haf­ter Ver­säu­mung eines Rechts­be­helfs eine Bil­lig­keits­maß­nah­me aus­zu­schlie­ßen, die­se aber bei eben­so schuld­haf­ter Rück­nah­me eines Rechts­be­helfs zu eröff­nen.

Das in der Rück­nah­me lie­gen­de Ver­schul­den geht sogar noch über das in der Ver­säu­mung einer Rechts­be­helfs­frist lie­gen­de Ver­schul­den hin­aus, denn es ist ein akti­ves Tun, die Ver­säu­mung des Rechts­be­helfs nur ein Unter­las­sen.

Soweit schließ­lich ver­sucht wird, das BFH, Urteil in BFHE 116, 103, BSt­Bl II 1975, 789, betref­fend den Grund­satz von Treu und Glau­ben im Bil­lig­keits­ver­fah­ren fort­zu­ent­wi­ckeln, steht auch dem die Recht­spre­chung zu Bil­lig­keits­maß­nah­men wegen Ver­säu­mung von Rechts­be­hel­fen oder, wie im Streit­fall, Ver­säum­nis­sen im Rah­men von Rechts­be­hel­fen ent­ge­gen. Die­se hat den all­ge­mei­nen Grund­satz von Treu und Glau­ben für Pan­nen im Rechts­be­helfs­ver­fah­ren bereits spe­zi­ell aus­ge­formt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Febru­ar 2017 – X B 80/​16

  1. BFH, Urteil in BFH/​NV 1998, 935[]