Die ver­ges­se­ne Daten­ein­ein­ga­be als Flüch­tig­keits­feh­ler des Steu­er­be­scheids

Eine – zur Kor­rek­tur des bestands­kräf­ti­gen Steu­er­be­scheids berech­ti­gen­de – offen­ba­re Unrich­tig­keit kann auch dann vor­lie­gen, wenn der Ver­an­la­gungs­be­am­te Daten ver­se­hent­lich nicht in ein Com­pu­ter­pro­gramm ein­gibt 1.

Die ver­ges­se­ne Daten­ein­ein­ga­be als Flüch­tig­keits­feh­ler des Steu­er­be­scheids

Die­ser Feh­ler ist hier­nach dann "offen­bar", wenn er auf der Hand liegt, durch­schau­bar, ein­deu­tig oder augen­fäl­lig ist. Maß­ge­bend ist, ob der Feh­ler bei Offen­le­gung des Sach­ver­halts für jeden unvor­ein­ge­nom­me­nen Drit­ten klar und deut­lich als offen­ba­re Unrich­tig­keit erkenn­bar ist.

Uner­heb­lich ist in die­sem Zusam­men­hang, inwie­weit ein­zel­ne Län­der­fi­nanz­ver­wal­tun­gen für die Anwen­dung des § 129 AO Ver­wal­tungs­ver­fü­gun­gen erlas­sen haben. Denn die­se kön­nen das Ermes­sen des Finanz­amt bei einer vor­lie­gen­den offen­ba­ren Unrich­tig­keit nicht ein­schrän­ken. Viel­mehr sind die Finanz­be­hör­den grund­sätz­lich ver­pflich­tet, Steu­er­an­sprü­che, die sich aus den eine Steu­er­schuld begrün­den­den Tat­be­stän­den erge­ben, gegen­über dem Steu­er­pflich­ti­gen gel­tend zu machen bzw. ent­spre­chen­de Fest­stel­lungs- oder Mess­be­schei­de zu erlas­sen, um dem Gebot der Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung zu genü­gen. Mit der Berich­ti­gungs­vor­schrift des § 129 AO hat der Gesetz­ge­ber unter ganz bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen der mate­ri­el­len Gerech­tig­keit (Gleich­mä­ßig­keit der Besteue­rung) den Vor­rang vor der Rechts­si­cher­heit (Ver­trau­ens­schutz) ein­ge­räumt 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 4. März 2015 – X B 39/​14

  1. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 694[]
  2. so schon BFH, Urteil vom 28.10.1992 – II R 111/​89, BFH/​NV 1993, 637[]